Die lebenslange Gebundenheit an einen Ort und an eine konkrete Gemeinschaft. Das bedeutet für uns, dass wir Tag für Tag am Leben der Gemeinschaft teilnehmen und auch unsere zwei Wochen Ferien im Jahr gemeinsam in Mariendonk verbringen. Beständigkeit verstehen wir als äußerlich sicht- und greifbares Zeichen der Treue und Entschiedenheit zur frei gewählten Lebensform. Sie ist Zeichen von Kontinuität in einer immer haltloseren Welt und eine Möglichkeit, zu größerer innerer Freiheit und Beweglichkeit zu kommen. Gleichzeitig verhindert die Beständigkeit, sich selbst und den auftretenden Problemen auszuweichen. 

 

„Stabilitas”, die bei der Profess versprochene lebenslange Be­ständigkeit und Gebundenheit an einen Ort und an eine Ge­meinschaft mutet in einer bis in persönliche Beziehungen hinein durch Mobilität und Flexibilität gekennzeichneten Zeit wohl eher fremd an.

Keine Schwester - von Ausnahmen, die von der Gemeinschaft festgelegt wurden, abgesehen – verreist, fährt in Urlaub oder nimmt aus anderen Gründen nicht am tagtäglichen Leben der Gemeinschaft teil; unsere zwei Wochen Ferien im Jahr ver­bringen wir gemeinsam vor Ort. Gerade weil Reisen und Mobilität gesellschaftlich ein so hoher Wert beigemessen wird und so normal scheint, müssen wir innerhalb des Konventes in Diskussionen und Entscheidungs­prozessen immer wieder klären, dass Beständigkeit weder ein disziplinarischer noch ein miss­günstiger äußerer Zwang ist, sondern eine bewusste Ent­scheidung darstellt, zugunsten eines gewählten Zieles auf etwas durchaus Schönes und Wert­volles zu verzichten.

Beständigkeit verstehen wir so als äußerlich sicht- und greifbares Zeichen der Treue und Entschiedenheit zur frei gewähl­ten Lebensform. Sie ist Zeichen von Stabilität und Kontinuität des gläubigen Lebens in einer immer haltloseren Welt und eine Möglichkeit, in der äußerlichen Ortsgebundenheit größere innere Freiheit und Beweglichkeit zu erlangen. Gleichzeitig wird jede Einzelne gefordert, sich mit sich selbst und mit allen auftretenden Problemen auseinander zu setzen, da Flucht in Ablenkungen nur begrenzt möglich ist.

Beständigkeit heißt konkret, dass eine Frau, die hier ewige Profess macht, bis zu ihrem Tod an diesem Ort und in dieser Gemeinschaft bleibt – vierzig, fünfzig oder gar mehr Jahre Treue zur einmal gewählten Lebensform. Das kann über Strecken eher ein Ausharren und Durchhalten sein, ein Kampf mit sich, mit den Mitschwestern und auch mit Gott. Aber ebenso ist es die wunderbare Erfahrung, immer tiefer in das Leben ganz für Gott und auf ihn hin hineinzuwachsen; Zeit und Muße zu haben, sich wirklich zu binden und zu verwurzeln, ganz und gar da zu sein. Jedoch „hat“ keine Schwester irgendwann ihren Platz, ihren Glauben, ihre Gottesbeziehung – es bleibt immer ein Weg, immer wieder eine Umkehr, immer wieder eine Herausforderung und ein Sich-Ausstrecken nach dem, was vor uns liegt. So muss sich jede von uns im Lauf ihres Klosterlebens den ihrem Lebensabschnitt gemäßen Aufgaben stellen: vom ersten Hineinwachsen in die Gemeinschaft zur Übernahme von Verantwortung bis hin zum Loslassen von geliebten Aufgaben und Einflussmöglichkeiten, von Plänen und unvollendeten Projekten. Dazu zählt auch das Akzeptieren von altersbedingten Schwächen und Behinderungen, das Annehmen von Hilfe und Pflege, bis zum Schluss das Loslassen des ganzen Seins in den Tod und durch ihn hinein in den unendlichen Gott gefordert ist. Damit dies gelingt muss sich jede Schwester stets weiterentwickeln, darf nicht stehen bleiben, sich nicht in bürgerlicher Bequemlichkeit einrichten. Wir müssen uns bewegen und vom Geist Gottes bewegen lassen. Beständigkeit kann deshalb nicht Stillstand sein, sondern ist Dynamik, heißt, sich selbst, der Berufung und der Lebensentscheidung durch alle notwendigen Veränderungen und Krisen hindurch treu zu bleiben.

Zur Ortsgebundenheit gehört ebenso die Klausur, die Abge­schlossenheit des klösterlichen Lebensraumes nach außen. Ge­rade Klausur erscheint vielen zunächst als massive Einschränkung: „hinter Klostermauern” weckt Assoziationen zu „hinter Ge­fängnismauern“. Die Abgrenzung des Klosterbereiches sowie die Regelungen des persönlichen Kontaktes nach außen sind jedoch weder ein Gefängnis noch eine Oase des Rückzuges von der Wirklichkeit. Sie bieten stattdessen denen, die sich nach reif­licher Überlegung und mehrjähriger Probezeit für ein Leben im Kloster entschieden haben, einen Freiraum von Ablenkung und Reizüberflutung und ermöglichen eine größere Konzentration auf das, was jede Schwester für sich zum Inhalt ihres Lebens ge­wählt hat: die Gottsuche in so intensiver Form zu leben, dass ihr nichts anderes vorgezogen wird.

Der Ursprung der Klausur war der Schutz der in ihr Lebenden vor Störung­en von Au­ßen. So ist auch dies ein Punkt, in dem es immer wieder neu gilt, das rechte Maß zu finden: einerseits die Anfragen von außen und der Wunsch von uns Schwestern nach Kontakt zu Familie und Freunden / Freundinnen, andererseits die Notwendigkeiten und Bedürfnisse, die ein Klosterleben bestimmen und ermöglichen.

Unser Leben hat in hohem Maß den Charakter eines Zeichens, wir wollen Zeuginnen sein für Gottes Gegenwart und Wirken in der Welt. Dafür müssen wir sichtbar sein. Gleichzeitig haben wir ein Recht auf unsere Privatsphäre, sowohl jede Einzelne als auch die Gemeinschaft, und Zurückgezogenheit gehört zu unserer Lebensform wesentlich dazu.

Der Balanceakt zwischen Offenheit, Zugänglichkeit, Normalität und Abgrenzung, Konzentration und Konsequenz, kurz: die Frage nach der Notwendigkeit und auch der Berechtigung von Gren­zen hält unsere Gemeinschaft in Bewegung.