Ein Tag in Mariendonk

Beten - Arbeiten - Studieren/Lesen

Die innere Struktur unsres Lebens ist von den drei Professversprechen geprägt: Beständigkeit, Gehorsam und klösterliche Lebensführung. Mit dieser inneren Struktur korrespondieren die drei Wesensmerkmale, die unser Leben als Benediktinerinnen prägen: Gebet, Arbeit und Lesung. Bekannt ist die Kurzformel "ora et labora", also "bete und arbeite"; allerdings gehört die "Lesung" als drittes, ebenso wichtiges Element dazu. Damit ist die sogenannte "geistliche Lesung" (lectio divina) gemeint und ihr Gegenstand ist die Heilige Schrift. Im weiteren Sinn gehört auch all jene Literatur dazu, die zu einem geistlichen Verständnis der Bibel vorbereitet und hinführt. Wir haben uns in Mariendonk dazu entschieden, insbesondere die Theologie der Kirchenväter als Quelle der Spiritualität für unsre Gemeinschaft fruchtbar zu machen. So wie unser Tagesablauf feste Zeiten für den Gottesdienst und die Arbeit vorsieht, ist auch die geistliche Lesung fest in unserem Alltag verankert.

Nach der Benediktregel ist es ein Kennzeichen echten Mönchtums, wenn die Klostergemeinschaft "von ihrer eigenen Hände Arbeit lebt" (RB 48). Das bedeutet für uns, dass wir unseren Lebensunterhalt selbst erwirtschaften. Die wirtschaftliche Eigenständigkeit und Unabhängigkeit ist ein Merkmal der Benediktinerklöster. In Mariendonk verdienen wir unser Geld durch die Paramenten-Werkstätten und den Hostienversand. Neben den handwerklichen Betrieben und dem Gastbetrieb tragen seit etlichen Jahren auch einige Schwestern durch wissenschaftlich-theologische Arbeit zum Lebensunterhalt der Gemeinschaft bei. Wir bewirtschaften außerdem einen großen Obst- und Gemüsegarten, dessen Erträge einen erheblichen Anteil unserer Lebensmittelbedürfnisse abdecken. Der gesamte "Haushalt" des Klosters sowie die Anforderungen in den Klosterbetrieben sind inzwischen so umfangreich, dass wir Schwestern nicht mehr alles allein bewältigen können. Deshalb gehören zum Wirtschaftsbereich unsres Klosters auch einige weltliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Unsere Arbeit ist in die heutige Wirtschaft eingebettet und muß sich ihren Anforderungen stellen. Das bedeutet Rationalisierung und Technisierung, Arbeitsteilung und Zeitberechnung. Trotzdem bemühen wir uns darum, dass unsere Arbeit ihren Charakter als gottesdienstliches Tun nicht verliert. So bewerten wir Arbeit nicht nur nach ihrem finanziellen Ertrag, sondern übernehmen auch Arbeiten, die wirtschaftlich nicht rentabel sind, wenn wir damit einen Dienst für die Kirche leisten können.

Unser Tagesablauf spiegelt das Miteinander und die Integration der drei Elemente Beten, Arbeiten und Studieren/Lesen wider und sieht folgendermaßen aus:

5:00 Uhr    Wecken
5:50 Uhr    Lesung/Schriftmeditation
6:30 Uhr    Morgenoffizium mit Eucharistiefeier
anschließend Frühstück
8:30 Uhr    Arbeitszeit
11:30 Uhr  Mittagshore
anschließend Mittagessen
12:30 Uhr  Arbeitszeit
13:30 Uhr  stille Zeit
14:30 Uhr  Freizeit
15:00 Uhr  Arbeitszeit
18:00 Uhr  Vesper (mittwochs 17.30 Uhr)
anschließend Abendessen
19:15 Uhr  gemeinsame Erholung
20:00 Uhr  Komplet
20:20 Uhr   Lesungszeit
22:00 Uhr  Nachtruhe