Tagebuch (7)
Eine gute Freundin schrieb mir, dass es sie traurig macht, von seiten der Kirche hauptsächlich zu hören, dass es keine Gottesdienste mehr gibt. Das findet sie wenig aufbauend, ja fast destruktiv. Die Kirche sollte eher eine Ermutigung zum persönlichen Gebet geben und alle Christen an ihr allgemeines, königliches Priestertum erinnern, das sie dazu beruft, stellvertretend für die ganze Menschheit Gott um Erbarmen und Hilfe anzuflehen. Denn genau in dieser Stellvertretung und in der priesterlichen „Pro-Existenz“ liegt unsere Würde als Christen. Meine Freundin schloss ihren Brief: „Vertrauen und Zuversicht, das sollten die neuesten Schlagworte werden.“
Dem kann ich mich nur anschließen, wobei unser fürbittendes Gebet sehr einfach sein kann. Die Christen der frühen Kirche beteten dreimal am Tag das Vaterunser. Ich höre den Einwand: „Aber das ist doch kein Fürbittgebet.“ Doch es ist ein Fürbittgebet, wenn man es bewusst als solches betet, d.h. das „unser“ betont. Wer dafür eine Anregung braucht, den verweise ich auf meinen Aufsatz zum Vaterunser: https://www.geistige-schriftauslegung.de/artikel/art000030.pdf.
Hier in Mariendonk geht das Leben in gewisser Weise wie gewohnt weiter und es gibt Schönes zu berichten. Schwester Paula steht am Ende ihrer Noviziatszeit und hat am Montag in der feierlichen Form der sogenannten Petitio um die Zulassung zur Profess gebeten. Darüber stimmte die Gemeinschaft heute ab, denn nur jemand, zu dem die Gemeinschaft mit überwältigender Mehrheit (mindestens Zweidrittelmehrheit) ja sagt, kann für immer bei uns leben. Schwester Paula darf ihre Profess ablegen. Das ist ein Anlass zur Freude!