Tagebuch (18)
Wir meditieren in diesen Tagen nicht nur den Weg Jesu ans Kreuz, sondern wir beten auch viel, allerdings nicht mit unseren eigenen Worten, sondern mit den Worten der Psalmen, der Gebete des Alten Testamentes. Es stellt sich die Frage, was diese Texte mit Jesus zu tun haben. Die Antwort ist einfach und für manche von ihnen vielleicht überraschend: Die Psalmen werden uns von Jesus gebetet und sprechen von ihm und seinem Leiden. Lange bevor er in die Welt kam, hat er, der ewige Sohn Gottes in diesen Texten sein zukünftiges Leben und Sterben verkündet, um uns so eine Hilfe für unseren Glauben zu geben. Es gibt Psalmverse, bei denen das leicht nachzuvollziehen ist ist, z.B. bei Ps 41,8-10 oder Ps 55,13f. Aber es gilt für alle Psalmen, dass Jesus der eigentliche Beter - unser Vorbeter - ist und wir uns ihm anschließen. Wenn man Psalmen betet, begreift man, dass der innere Reichtum dieser Gebete unsere Fassungskraft und unser Erlebnisvermögen sprengt, nur Jesus kann sie wirklich beten, er, der in seiner Menschwerdung die ganze Menschheit zusammenfasst und vor den Vater führt. Viele Aussagen der Psalmen, die sich zunächst nur schwer auf Christus beziehen lassen, z.B. Aussagen von Sünde und Schuld, werden durchsichtig, wenn man versteht, dass er sie stellvertretend für uns, seinen Leib und seine Kirche spricht.