Tagebuch (21)
Als Christen haben wir nicht den Trost, dass es wohl nicht so schlimm kommen wird und dass wir gewiss alles überstehen werden. Nein, wir werden alle sterben. Vielleicht nicht jetzt und nicht an dem Covid-19-Virus, aber was bedeutet das schon? Auch wenn wir die jetzige Krise und noch 27 andere überleben, werden wir einmal sterben. Wir haben auch nicht den Trost, dass Gott die retten wird, die „lieb und brav sind und seinen Geboten folgen“. Wenn es Jesus, der ohne Sünde war, nicht vor dem Tod bewahrt hat, wird er uns auch nicht bewahren. Aber wir glauben an ein Leben jenseits der Todesgrenze, das ist die Botschaft von Ostern.
In allen vier Berichten, in denen das Leiden Jesu erzählt wird. ist ein Detail gleich: Jesus stirbt nicht allein, sondern er ist einer von Dreien, die an diesem Tag hingerichtet werden. Und noch in einem weiteren Detail stimmen die Berichte überein: Jesus ist in der Mitte! Vielleicht dürfen wir wagen, auch umgekehrt zu formulieren: Seit Jesus inmitten von zwei Verbrechern, inmitten zweier Menschen wie wir alle, gestorben ist, stirbt niemand mehr allein, so verlassen er in seiner Todesstunde auch sein mag. Jesus ist jedem Sterbenden nahe, auch denen, die in diesen Tagen und Wochen einsam und ohne menschliche Nähe auf einer Intensivstation sterben. Und was noch mehr ist: Er ist nicht nur im Sterben bei ihnen. Er erwartet sie jenseits des dunklen Tores, durch das jeder Mensch hindurch muss, im strahlenden Licht seiner Auferstehung.
 
Station des Kreuzwegs auf unserem Friedhof. Photo: Helmut Schmitz