Tagebuch (22)
Heute, am Karsamstag, habe ich einige Texte aus dem biblischen Buch der Klagelieder zusammengestellt. Denn als Christ darf man klagen, man darf Gott sogar anklagen und ihm Vorwürfe machen, wichtig ist nur, dass man das Gespräch mit ihm nicht abbricht.

Du hast mich aus dem Frieden hinausgestoßen;  ich habe vergessen, was Glück ist.
Ich sprach: Dahin ist mein Glanz  und mein Vertrauen auf den Herrn.
Immer denkt meine Seele daran  und ist betrübt in mir.

Doch das will ich mir zu Herzen nehmen,  darauf darf ich harren:
Die Huld des Herrn ist nicht erschöpft,  sein Erbarmen ist nicht zu Ende.
Neu ist es an jedem Morgen;  groß ist deine Treue.

Mein Anteil ist der Herr, sagt meine Seele,  darum harre ich auf ihn.
Gut ist der Herr zu dem, der auf ihn hofft,  zur Seele, die ihn sucht.
Gut ist es, schweigend zu harren  auf die Hilfe des Herrn.

Denn nicht für immer  verwirft der Herr.
Hat er betrübt, erbarmt er sich auch wieder  nach seiner großen Huld.
Denn nicht freudigen Herzens  plagt und betrübt er die Menschenkinder.

Wer hat gesprochen und es geschah?  Hat nicht der Herr es geboten?
Geht nicht hervor aus des Höchsten Mund  das Gute wie auch das Böse?
Prüfen wir unsre Wege, erforschen wir sie  und kehren wir um zum Herrn!

Du, Herr, thronst ewig,  dein Thron besteht von Geschlecht zu Geschlecht.
Warum willst du uns für immer vergessen,  uns verlassen fürs ganze Leben?
Lass du, Herr, uns zurückkehren zu dir,  dann kehren wir um!  Erneuere unsere Tage wie in der Urzeit.
Oder hast du uns denn ganz verworfen,  zürnst du uns über alle Maßen?

Station des Kreuzwegs auf unserem Friedhof. Photo: Helmut Schmitz