Tagebuch (25)
In den Medien ist zur Zeit die Rede von der „Corona-Krise“. Unter einer Krise stelle ich mir zunächst etwas Negatives vor. „Ich krieg' die Krise“ würde ich sagen, wenn es in einem frisch renovierten Raum in Mariendonk einen Wasserrohrbruch gibt oder wenn ich mir unmittelbar vor einer Romreise das Bein breche.
Doch das Wort „Krise“ ist ursprünglich offener und hat eine vielfältigere Bedeutung. Es kommt aus dem Griechischen und bedeutet Trennung, Scheidung, Entscheidung, dann auch Richterspruch, Gericht und Urteil. Ein sehr wichtiger Satz im Johannesevangelium lautet: „Mit dem Gericht verhält es sich so: Das Licht kam in die Welt, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht“ oder wie man auch übersetzen könnte: „Das aber ist die Krise: Das Licht kam in die Welt, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht.“
Das Kommen Jesu in unsere Welt bringt uns alle in eine Entscheidungssituation. Und das nicht nur einmal, sondern immer wieder. Jesus fordert die Entscheidung, was wir lieben: uns selbst oder ihn und unsere Mitmenschen. Von daher versteht man, dass Covid-19 tatsächlich eine Krise ist, eine Situation, in der wir neu entscheiden müssen, was uns wichtig ist. Damit sind wir mit Covid-19 zugleich auch vor ein Gericht gestellt.