Als junge Frau sah ich die Grenzen zwischen den Geschlechtern weniger scharf als heute. Damals war es mir wichtiger, Mensch zu sein, Frau zu sein erschien mir demgegenüber sekundär. Heute würde ich sagen, dass ich Mensch bin als Frau und dass mir das Mensch-Sein als Mann für immer verschlossen ist. Es gibt keine Brücken über diesen Abgrund. Das führt mich einerseits zu sehr unmodernen Ansichten über männliche und weibliche Berufs- und Familientätigkeit, gleichzeitig ist es mir wichtiger als früher, eine weibliche Perspektive einzubringen und mich von einseitig männlichen Sprachformen nicht angesprochen zu fühlen. Studenten durch Studierende zu ersetzen finde ich ein Vergewaltigung unserer Sprache, aber wenn von Söhnen, Knechten oder Brüdern die Rede ist, gehe ich davon aus, dass man andere meint als mich.