In der Komplet beten wir: „Lass uns, wir bitten dich, morgen früh unversehrt vor dir erscheinen, damit du immerdar unseren Lobpreis empfangen kannst“. Kindlich? Naiv? Unverschämt? Unser Denken wehrt sich: Will Gott, wenn es ihn denn gibt, aus Eigennutz, dass wir Menschen ihm dienen, ist er wie die antiken Götter, die den Menschen schufen, um Opfergaben - und seien es geistige - zu empfangen? Ist das nicht ein sehr kleines, kleinliches Gottesbild? Bin ich nur dazu da, um diesen Lobpreis zu erbringen, so dass ich befürchten muss, wenn ich das Geforderte nicht mehr leiste, verworfen zu werden?
Vermutlich liegt das Problem in dem Wörtchen „damit“, das wir überinterpretieren. Eigentlich geht es um Beziehung und Liebe. Ich bin, weil Gott mich will und d.h. weil er mich liebt. Schon diese Erkenntnis ist Lobpreis. Insofern könnte man das Gebet auch viel einfacher formulieren: „Herr, mein Gott, lass mich auch morgen vor dir stehen und dich aus ganzen Herzen lieben.“
 
(Bild Helmut Schmitz)