In den „Unfrisierten Gedanken“ von Stanislaw Jerzy Lec findet sich der boshafte Satz: „Dass er starb, ist noch kein Beweis dafür, dass er gelebt hat“.
Aber ist dieser Satz überhaupt boshaft oder nur eine sehr hellsichtige Analyse der menschlichen Situation? Nach der Bibel ist Tod geradezu der Normalzustand und wirklich lebendig zu sein das Außergewöhnliche. Im 1. Johannesbrief heißt es: „Wer nicht liebt, bleibt im Tod“ (1 Joh 3,14), was doch wohl bedeutet, dass der Nicht-Liebende tot ist und dass von ihm gilt: „Dem Namen nach lebst du, aber du bist tot“ (Off 3,1).
Wirklich zu lieben, wirklich lebendig zu sein ist eine enorme Aufgabe, bei der man erst im Laufe der Jahre erkennt, dass man dazu einen anderen Geist braucht als den eigenen Verstand. Nur Gottes Geist kann uns lebendig machen und am Leben erhalten. Das ist ein Trost auch in all der Angst, die uns im Moment umgibt: Leben ist mehr als coronafrei zu sein.