In diesem Jahr fühle ich mich besonders erschöpft und das geht vielen Mitschwestern so. Um gut zu leben, brauchen wir es, dass das meiste, das wir tun, eingeübt ist und ohne große Überlegungen abläuft: Jemanden begrüßen, irgendwo entlanggehen, miteinander essen usw. Die Pandemie zwingt uns, Handlungen, die wir bisher, ohne viel zu überlegen, taten, genau zu überlegen: Schade ich einem anderen? Schade ich mir selbst? Schade ich meinen Mitschwestern? Ärgert sich jemand über mich? Muss ich Maske tragen oder nicht? Jeder Schritt ist moralisch aufgeladen und hat etwas mit Verantwortung zu tun; das erschöpft innerlich.
„Er führt mich zur Erholung ans Wasser“. Dieser Psalmvers soll über meinen Ferien stehen. Christus ist auch in den Ferien derjenige, der mich führt und auf den ich hören will. Er will mein Leben, mein Glück und meine Erholung.
Allerdings weiß ich aus Erfahrung, dass ich mich in den Ferien sehr unterschiedlich gut erholt habe. Vor allem gibt es zwei Gefahren:
1.) Man tut Dinge, die einem nicht wirklich gut tun. Oft aus dem Bedürfnis heraus, Möglichkeiten zu nutzen, die im Alltag nicht gegeben sind. Zum Schluss hat man vielerlei getan, aber nichts richtig, und ist  müder und erschöpfter als vorher.
2.) Die andere Gefahr, vor allem wenn man sich sehr ausgelaugt fühlt, ist sich hängen zu lassen, nur zu gammeln und zu schlafen und am Ende eher depressiv als erholt zu sein.