Es gibt verschiedene Formen von Frömmigkeit, die alle ihre Berechtigung haben. Irgendwann muss man das Eigene erkennen, annehmen und lieben, ohne die Wertschätzung für andere Formen zu verlieren. Wenn ich Bücher lese, die einen geistlichen Weg empfehlen, kann ich oft zustimmen, ich empfinde Bewunderung, manchmal sogar Sehnsucht, aber ich weiß zugleich, dass das nicht mein Weg ist. Ich bin keine Mystikerin und werde wohl auch nie eine werden. Charismatische Gottesdienste bleiben mir fremd, ebenso wie Bibelteilen, Bibliolog, Jesusgebet und vielen andere mehr. Meine Form ist die Begegnung mit Gott im Studium der Heiligen Schrift und im Beten der Psalmen, hier komme ich Stück für Stück tiefer in den Glauben. Allerdings bin ich mir darüber im Klaren, dass mein Glaube sehr vom Verstand bestimmt ist - abwertend nennt man das heute „verkopft“ - , ich brauche einen Inhalt, um ein Gespräch mit Gott zu führen.
Und es gibt bleibend eine Wand: Gott ist der Andere, er ist fern. Begriffe wie Nähe, Gespräch und Begegnung sind analog und ich bin mir dessen bewusst. Und dennoch: Immer wieder die aufblitzende Gewissheit: Er ist da.