Gottes Macht besteht darin, in Freiheit zu setzen, loszulassen, das Handeln anderer Wesen zu ermöglichen. Er ist groß, weil er nicht vergewaltigt, sondern Freiheit zuläßt. Das hat auch Konsequenzen für jeden von uns; auch wir müssen loslassen: Dinge aus der Hand geben, Worte stehen lassen, Geschriebenes seiner Eigendynamik überlassen, Menschen freigeben. Das ist manchmal sehr schwer, da man ahnt, dass die anderen anders entscheiden werden, als man selbst es getan hätte. Immer besteht die Gefahr, dass sie die eigenen Ideen verfremden, zerstören, nicht wirklich umsetzen. Die Angst davor nicht unbegründet und kann dazu führen, am liebsten alles selbst zu machen. Aber wenn Gott, dessen Pläne wir Menschen fortwährend durchkreuzen, so handeln würde, wären wir nicht frei und d.h. nicht wirklich in der Lage zu lieben. Daher immer neu die Frage: Will ich die Freiheit der anderen, will ich sie wirklich? und: Verhalte ich mich so, dass Freiheit für andere möglich wird?