In dieser Woche lautet eines unserer Gebete: „Schütze uns, Herr, weil wir zu dir flehen; trage uns, weil wir schwach sind; mach uns rein, weil wir der Erde verhaftet sind! Da wir durch Todesschatten in den Tod wandern, schenke du uns das Leben durch dein Licht!  Und wenn du uns gnädig aus allem Unheil errettet hast, führe uns bis auf den Gipfel des Glücks.“
Heute morgen dachte ich: Ja, tatsächlich, wir wandern in den Tod, jeder Mensch wandert vom Tag seiner Geburt an in den Tod, auch wenn wir diese Tatsache meistens verdrängen. Unser Lebensweg führt durch Todesschatten, d.h. in Situationen, in denen die Tatsache, dass wir sterben werden, nicht mehr wegzuschieben ist, und mit denen Gott uns aufrütteln und dazu bringen will, die Augen aufzumachen und uns zu fragen, was trägt. Das Gebet spricht vom Leben durch Gottes „Licht“, worunter ich als Christin Jesus verstehe. Er ist mein Licht und mein Leben. Und weil es ihn gibt, hoffe ich auch, dass ich allen Todesschatten zum Trotz (und Covid-19 ist ein solcher Todesschatten) auf den „Gipfel des Glücks“ gelange. Wobei ich sagen muss, dass ich immer, wenn wir dieses Gebet beten, denke: Herr, so viel zu verlangen, würde ich gar nicht wagen, ich wäre schon mit viel weniger zufrieden als mit dem Gipfel des Glücks. Aber die Kirche legt mir dieses Gebet in dem Mund und lehrt mich damit, dass wir Christen nicht zu bescheiden sein sollten; uns ist keine kleine bürgerliche Zufriedenheit verheißen, sondern wirklich die Fülle allen Glücks.