Jesus ist nicht mein bester Freund, nicht mein Nachbarn, nicht mein Lieblingsschriftsteller und auch nicht der nette Junge von nebenan. Er ist mein Herr und mein Gott. Er sagt Dinge, vor denen ich zurückschrecke, die ich spontan ablehne, von denen ich mich angegriffen und verurteilt fühle. Der Weg zum Verstehen geht nicht so, dass ich mich in ihn hinein denke – wie könnte ich mich in jemanden hinein denken, der Gott und Mensch zugleich ist –, sondern so das ich gehorche und hoffe, durch diesen Gehorsam irgendwann mehr zu verstehen.
Jesus ist Gott, das bedeutet, dass alles, was er mir sagt, nur ganz entfernte Ähnlichkeit hat mit dem Wort eines menschlichen Freundes. Er sagt mir nicht etwas über Gott, sondern er ist Gott. Ich kann ihn in mein Inneres hinein lassen, ihn aufnehmen und mich von ihm verwandeln lassen. Was ich nicht kann, ist mit ihm zu diskutieren, jedenfalls nicht, wenn Diskussion bedeutet, dass beide Partner bereit sein müssen, ihre Meinung zu ändern. Jesus, das lebendige Wort Gottes, diskutiert nicht mit mir, es steht da und wartet auf meine Zustimmung. Und bleibend wehrt sich etwas in mir…
Es gehört zum Glauben, diese Nicht-Übereinstimmung, diesen Widerstand stehen zu lassen, ihn nicht mit frommen Worten zu zu decken, sondern ihn anzunehmen und mehr und mehr zu erkennen, dass es gar nicht anders sein kann. Als Mensch, der immer auch gebrochen, zwiespältig und sündig ist, kann ich nicht einfach Ja zu Gott sagen. Wenn ich es in leuchtenden Augenblicken kann, dann ist das Gnade, die mich über mich selbst hinaus hebt und Grund ist zu großem Dank.
Jesus lieben? Was heißt lieben? Spontane Sympathie? Eher selten, zu fremd ist er mir. Sagen: Gut, dass es dich gibt? Schon eher, ich kann mir die Welt ohne ihn nicht vorstellen. Dran bleiben und weiter zuhören? Ja, und versuchen seinen Willen zu erkennen und zu tun. Und im übrigen wie Petrus sagen: Herr, du weißt alles, du weißt, dass ich dich liebe.