Ich werde immer wieder gefragt, wie es uns in Mariendonk geht. Ich scheue mich, darauf zu antworten, denn einerseits leiden wir natürlich wie alle unter der Pandemie, wirtschaftlich und allmählich auch psychisch. Andererseits weiß ich aber auch, dass wir viel weniger Grund als andere Menschen haben, uns zu beklagen, denn mindestens 80 % unseres Alltags verlaufen auch unter Coronabedingungen wie gewohnt: Wir feiern unseren Gottesdienst, tun unserer Arbeit, die sich für ganz viele Schwestern sowieso innerhalb des Klosters befindet, und haben 24 Gesprächspartnerinnen. Wer hat das schon? Wir sind uns der privilegierten Situation, in der wir uns befinden, sehr bewusst.
Aber das ist nur der enge Bereich unseres persönlichen bzw. gemeinschaftlichen Wohlbefindens. In unseren Gesprächen wird immer wieder deutlich, dass wir uns fragen, wie es für all die vielen Menschen, die wir kennen oder von deren Schicksal wir hören, weiter gehen wird. Niemand weiß eine Antwort auf diese Frage, denn niemand weiß, wie lange es dauern wird, bis wir wirklich über den Berg sind. Unsere Gesellschaft hofft auf eine technische Lösung durch die Impfung, aber ob diese Lösung wirklich eine Lösung sein wird, weiß zum jetzigen Zeitpunkt noch niemand. Wir müssen Geduld haben.
Von der Kirche wird vorwurfsvoll gesagt, dass sie in dieser Situation nicht wirklich etwas Erhellendes beizutragen hat. Mir geht es im Grunde genauso, das muss ich zugeben. Natürlich könnte ich an dieser Stelle einen schönen Text aus der Heiligen Schrift zitieren, aber ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich hilfreich ist. Ich glaube Gott verlangt zunächst von uns, dass wir erkennen und akzeptieren, dass wir machtlos sind. Das wirklich zuinnerst und im Glauben anzunehmen, wäre ein Schritt in die richtige Richtung.