Berufung ist ein komplexer Vorgang: Christus ruft und ein Mensch hört. Aber der Ruf Christi ergeht in doppelter Weise und nur wenn beides zusammen kommt, sprechen wir von einer Berufung zum Priestertum oder zum Ordensleben. Es gibt den inneren Ruf, den ein Mensch spürt und der ihn sagen lässt: „Ich möchte dir nachfolgen“ (vgl. z.B. Mk 5,18). Dieser innere Ruf kann sehr stark sein, aber er muss ergänzt werden durch den äußeren Ruf Jesu: „Folge mir nach!“ Diese Antwort gibt Jesus nicht immer, in Mk 5,19 bekommt der Mann, der um die Erlaubnis bittet, bei Jesus bleiben zu dürfen, diese Erlaubnis nicht, sondern eine andere Aufgabe.
In der Zeit der Kirche, in der wir leben, erfolgt die von außen kommende Berufung durch die Kirche. Deshalb kann niemand sagen, er oder sie sei zu etwas berufen, was die Kirche nicht bestätigt. Das gilt auch für Menschen, egal ob Männer oder Frauen, die sich zum Priestertum oder zum Ordensleben berufen fühlen, aber von der Kirche dazu keinen Auftrag erhalten und darunter leiden. Für sie stellt sich die Frage, was Jesu wirklich von ihnen will. In Mk 5,19 erhält der Geheilte einen anderen Auftrag, der nicht weniger wichtig ist.