In einer alten Predigt zum Karsamstag wird der Abstieg Jesu in die Unterwelt beschrieben. Dort sagt er zu Adam und damit zu allen Menschen:

„Steh auf von den Toten, ich bin das Leben der Toten. Steh auf, du Werk meiner Hände nach meinem Bild und Gleichnis geschaffen. Steh auf und lass uns von hier wegziehen, denn wir beide zusammen bilden eine einzige und untrennbare Person. Um deinetwillen wurde ich, dein Gott, zu deinem Sohn; um deinetwillen nahm ich, der Herr, Sklavengestalt an; um deinetwillen stieg ich, der ich über allen Himmeln wohne, herab auf die Erde und unter die Erde.
Für dich, den Menschen, wurde ich wie ein hilfloser Mensch; für dich, der du den Garten verließest, wurde ich im Garten den Juden ausgeliefert und im Garten gekreuzigt. Schau auf meinem Rücken die Geißelung, die ich hinnahm, um dir die Last deiner Sünden abzunehmen, die deinem Rücken aufgebürdet ist. Schau meine Hände, die ans Holz genagelt sind um deinetwillen, der du in schlechter Weise deine Hände nach dem Holz ausgestreckt hast. Den Schwamm habe ich genommen, um den Schuldschein deiner Sünde auszulöschen. Das Rohr habe ich genommen, um dem Menschengeschlecht den Freiheitsbrief zu unterschreiben. So steh denn auf und lass uns von hier wegziehen.
Der Feind entführte dich einst aus dem irdischen Paradies; ich aber will dich nicht mehr ins Paradies, sondern auf einen himmlischen Thron setzen. Ich verbot dir einst den Baum des Lebens, der nur ein Gleichnis war, aber sieh, nun bin ich selbst mit dir vereint als das Leben. Ich stellte Kerubim auf, um dich, wie es sich für einen Knecht ziemt, zu bewachen; ich mache, dass Kerubim dich, wie es sich für einen Gott ziemt, verehren.
Lasst uns von hier wegziehen, vom Tod zum Leben, von der Verwesung zur Unverweslichkeit, von der Finsternis ins ewige Licht. Steht auf, lasst uns aufbrechen vom Schmerz zur Freude, von der Knechtschaft zur Freiheit, vom Kerker ins himmlische Jerusalem, aus den Fesseln in die Freiheit, von der Gefangenschaft in die Freude des Paradieses, von der Erde zum Himmel. Denn dazu bin ich gestorben und auferstanden, um zu herrschen über die Lebenden und die Toten. Lasst uns aufbrechen und von hier wegziehen, denn mein himmlischer Vater wartet auf das verlorene Schaf. Die 99 Schafe der Engel harren auf ihren Mitknecht Adam: wann er wohl aufsteht, wann er wohl heimkehrt zu Gott. Ein Kerubimthron ist bereit, die Träger stehen und warten, das Hochzeitsgemach ist hergerichtet, die Speisen sind bereitet, die ewigen Wohnungen sind gerüstet, die Schätze alles Guten sind aufgetan, das Himmelreich ist für euch bereit. „Was kein Auge je gesehen, kein Ohr gehört und was in keines Menschen Herz emporstieg” (1 Kor 2,9): diese Güter erwarten den Menschen.
(Pseudo-Epiphanius, Karsamstagshomilie, von mir gekürzt)