Verglichen mit Menschen in der Dritten Welt oder auch mit armen Menschen in unserem Land leben wir in Mariendonk in Luxus und Überfluss, das müssen wir ehrlich zugeben. Worin besteht dann aber unsere benediktinische Armut? Sie besteht darin, dass keine Schwester persönliches Eigentum hat, dass wir alles miteinander teilen. Keine von uns hat Besitz, über den sie verfügen kann, keine von uns bekommt Taschengeld, keine von uns hat die Möglichkeit, sich in der Stadt auch nur eine Packung Kekse zu kaufen. Das ist eine Form von Armut, die oft schwer fällt und die uns immer wieder in Versuchung führt, doch etwas als unser Privateigentum zu reservieren. Wirklich alles mit anderen zu teilen ist ein großer Anspruch, in den man erst hineinwachsen muss, auf der anderen Seite aber auch ein Geschenk: Jede von uns hat 25 andere Menschen, die ihren ganzen Besitz mit ihr teilen. Wer hat das schon?
Wir leben in einem großen Haus, besitzen eine eigene Kirche und einen wunderschönen, großen Park. Das gibt unserem Lebensstil Schönheit und Weite. Wenn wir unser Haus renovieren oder etwas anschaffen, ist uns immer bewusst, dass wir in unserem Kloster nicht nur für zwei oder drei Jahre leben, sondern, soweit wir das als Menschen überhaupt sagen können, für dauernd. Deshalb versuchen wir der Wegwerfgesellschaft Widerstand zu leisten und uns mit Dingen zu umgeben, die auch in vielen Jahren noch schön sind. Wir überlegen bei allem, was wir anschaffen, sehr genau, ob wir es wirklich brauchen. Wenn wir es anschaffen, sollte es unseren Lebensraum verschönern. Aus diesem Grund investieren wir auch viel Zeit in die Pflege unseres Hauses und unseres Gartens, denn wir glauben, dass der Lebensraum, in dem ein Mensch wohnt, ihn körperlich und seelisch prägt und sehr viel zu seiner psychischen Gesundheit beiträgt.