Oft scheint mir das, was in unserer Kirche verkündet wird, zu einfach zu sein. Es ist alles richtig, alles bedenkenswert, aber ich es trifft meine Suche nach Gott nicht. Gott ist  wenn es ihn wirklich gibt, bleibend ein Mysterium, er ist nicht unvernünftig, aber übervernünftig, d.h. von unserem Verstand nicht einzuholen.
Ich beschäftige mich, wenn man das Chorgebet mitrechnet, täglich etwa drei Stunden mit der Bibel und versuche zu erahnen, was Gott uns sagen will. Aber ohne die vielen, die mir im Glauben vorangingen und an deren Glauben ich mein eigenes Verständnis messe, würde ich nicht wagen, auch nur eine theologische Aussage zu machen.
Heute las ich bei Tomas Halik: „Die Kunst und die Religion bemühen sich, durch die Sprache der Symbole das Unaussprechliche auszusprechen und das nicht Darstellbare darzustellen. Das Symbol hat einen paradoxen Charakter: Es enthüllt das Geheimnis, auf das es sich bezieht, auf das es hinweist, und verbirgt es zugleich. Eine Kunst, die nicht auf ein Geheimnis hinweist, sondern faul und billig an einer gefälligen Oberfläche bleibt, ist Kitsch. Eine Religion, ... die nicht fähig ist, Symbole als einen Weg in die Tiefe zu betrachten, ist der genaue Gegensatz zu einer authentischen Religion - sie ist Fundamentalismus“ (Tomas Halik, Die Zeit der leeren Kirchen, 2021, 32f).
Vielleicht ist es das, was mich so häufig irritiert: Ein Fundamentalismus, der immer schon weiß, was Gott will und meint. Diesen Fundamentalismus finde ich zur Zeit vor allem bei denen, die in unserer Kirche meinen, die Speerspitze des Fortschritts zu sein. Gott übersteigt unser Denken und man muss sehr lange hinhören, um sich von seinem Denken prägen zu lassen. Ich würde nicht sagen, dass ich selbst so weit bin.