Nach Ansicht von Platon ist Unrecht für alle Beteiligten oder Betroffenen ein Übel, aber Unrecht tun ist ein größeres Übel als Unrecht erleiden.
Glaube ich das? Glaube ich, dass der Mörder mehr zu bedauern ist als der Ermordete, der Vergewaltiger mehr als sein Opfer, Adolf Hitler mehr als Edith Stein?
Platon läßt Sokrates im Dialog Gorgias sagen, natürlich wolle er am liebsten weder Unrecht tun noch Unrecht erleiden, müsste er aber wählen, so würde er es vorziehen, Unrecht zu erleiden. Denn der Täter wird in seinem Mensch-Sein mehr zerstört als das Opfer.
Oft habe ich bei Gruppen, die unser Kloster besuchen, diesen Gedanken erwähnt und fast immer Widerspruch geerntet, einen Widerspruch, den ich selbst innerlich spüre und deshalb gut nachvollziehen kann. Alles in mir wehrt sich gegen diesen Gedanken. Aber dachte nicht auch Jesus so?