Bei dem französischen Theologen Jean Daniélou fand ich einmal folgenden Gedanken, von dem ich leider nicht mehr sagen kann, aus welcher Schrift ich ihn habe. Für mich ist das Gesagte fast eine Art von Gottesbeweis, auf jeden Fall etwas, was ich selbst genauso erfahre.
„Gott ist es, der mir widersteht. Gerade dadurch drängt er sich mir auf. Denn wenn ich ihn erfände, so würde ich ihn mir willfähriger gestalten. Gerade daran aber, dass er mich stört, dass er meine Denkgewohnheiten und meine Pläne, mein Leben nach meinem Geschmack einzurichten, umstößt, erkenne ich seine Gegenwart. Diesem Paradox sehe ich mich gegenüber. Gerade das, um dessentwillen ich wünschte, dass er nicht existierte, zwingt mich dazu, seine Existenz anzuerkennen. In mir verspüre ich allzu viel Interesse daran, dass er nicht existiert, als dass mir mein Wunsch, dem möge so sein, nicht verdächtig vorkommen müßte. Indem ich mich vergeblich bemühe, ihn meinem Willen anzupassen, lerne ich ihn erkennen. Schließlich wird er mich lehren, ihn zu lieben, indem ich meinen Willen dem seinen zu beugen suche.“