Was suchen die Menschen, die zu uns kommen? Oft nicht das, was wir zu geben haben oder jedenfalls nicht das, was uns das Wichtigste ist, die Gebets- und Eucharistiegemeinschaft, das Leben als Kirche im Kleinen.
Ich nehme eine deutliche Verschiebung der Frömmigkeit wahr, hin zu mehr persönlichen Formen. Viele Menschen kommen in unsere Krypta, um still zu beten und eine Kerze anzuzünden - das ist offenbar das neue Sakrament. Andere kommen, um in unseren Seminaren und bei Bibelgesprächen etwas für sich und ihre Gottesbeziehung mitzunehmen. Nur sehr wenige möchten an unserem Chorgebet teilnehmen, das ist ihnen zu lang, zu fremd, zu unpersönlich.
Sich selbst als Kirche zu verstehen -”sentire cum ecclesia” - wird immer unverständlicher. Aber so entsteht ein Christentum ohne Kirche, was in meinen Augen eine Schrumpfform ist. Viele geistliche Begriffe sind auch, aber nicht in erster Linie auf den einzelnen zu beziehen: Umkehr, Reinigung, Demut. Sicher muss ich umkehren, neu werden, in Demut meine Schwäche erkennen und annehmen. Aber viel schwieriger ist es, „unsere“ Schwäche, die Schwäche der Kirche, ihre Sündigkeit, Armut und Niedrigkeit zu akzeptieren, ohne ihr die Treue aufzukündigen.