Das Evangelium von heute (Joh 20,1-10) läßt mich den ganzen Tag nicht los. Da ist einerseits Petrus, der von Jesus bevollmächtigte „Fels“, andererseits Johannes, der große Theologe. Oder mit anderen Worten: Amt und Charisma. Beide laufen gemeinsam, nur dann sind sie Kirche. Die Theologie ist damals wie heute schneller als das Amt und muss warten, bis dieses nachkommt, was manchmal ärgerlich und schmerzhaft sein kann. Aber nur der, der vollgültig den Auftrag hat, kann „hineingehen“ und registrieren, was ist, während der andere sieht und glaubt.
Das Ganze wird umrahmt vom Glauben einer Frau. Alle laufen in diesem Evangelium - es geht um etwas ganz Wichtiges -, aber sie läuft allein und als Erste und bleibt, als die beiden Männer weggehen. Daher ist sie es auch,  die den Auferstandenen sieht und so zur Apostolin der Apostel wird.
Ich möchte aus diesem Text keine Lehre von den verschiedenen Aufgaben von Mann und Frau ableiten; es gibt auch Frauen, die ein Amt in der Kirche haben oder Theologinnen sind. Eher scheint mir das Gesagte auf eine dritte Berufung hinzuweisen, die den beiden anderen einerseits unter-, andererseits übergeordnet ist und die es bei Männern und bei Frauen gibt, die Berufung zur kontemplativen Schau. Sie führt zu einer Erkenntnis von innen heraus, die auf neue, ganz unamtliche Weise zur Verkündigung qualifiziert.