Gelesen: Pieter Steins, Der Sinn des Lesens. Der Autor, von Beruf Literaturwissenschaftler, erfährt mit 50, dass er an ALS erkrankt ist und nur noch kurze Zeit zu leben hat. In diesen autobiographischen Bericht schildert er in jeden Kapitel, wie seine Krankheit voranschreitet und zugleich welches Buch er gelesen hat und wie er es mit seiner jetzigen Lebenssituation zusammenbringt. Manche der Bücher kenne ich und sie erschließen sich mir neu, andere kenne ich nicht und bekomme Lust, sie zu lesen.
Pieter Steins beeindruckt durch seine Klarsicht und Tapferkeit, er ist ein Mensch, der dankbar ist für sein Leben und der den Tod annimmt. Ein sehr gebildeter Mann, der um den christlichen Glauben weiß, ihn aber nicht teilt und auch angesichts des nahen Todes nicht nach den Antworten des Glaubens verlangt. Er schreibt, er sei froh, in einem liberalen Land mit einer vernünftigen Euthanasiegesetzgebung zu leben, so dass er irgendwann friedlich einschlafen kann. Am Ende des Buches kann er nicht mehr sprechen, nicht mehr selbstständig atmen und muss künstlich ernährt werden, aber dennoch bejaht er sein Leben und hält es nach wie vor für lebenswert. Für mich ist es schwer zu begreifen, dass ein Mensch die Frage nach Gott und einem Leben nach dem Tod so gar nicht stellt, aber ich fände es übergriffig, ihm - und sei es nur in Gedanken - zu sagen: Du machst dir etwas vor.
Aber hoffen darf ich auch für ihn.