Bei ethischen Fragen wie der Frage nach der Abtreibung neigt die Öffentlichkeit dazu, das Problem an möglichst extremen Fällen aufzuzeigen wie einem zehnjährigen Mädchen, das nach einer Vergewaltigung schwanger wurde. So etwas ist ein furchtbares Verbrechen, das eigenen ethischen und medizinischen Fragen unterliegt. Aber der Diskurs wird unsachlich, wenn er mit solchen Beispielen geführt wird.
Denn muss man nicht ehrlicherweise zugeben, dass bei den meisten Abtreibungen die Notlage durch eigene Schuld entstanden ist? Zwei Menschen, die beide frei waren und sehr wohl wußten, dass durch Geschlechtsverkehr neues Leben entstehen kann, waren gedankenlos und unvorsichtig und wollen jetzt möglichst schnell aus der Situation heraus, um die eigene Lebensplanung nicht zu gefährden. Verstehen kann ich das gut, aber ich weiß auch aus vielen Gesprächen, das es nie gut ist, Probleme nicht bis zu Ende durchzudenken, sondern zu fliehen. Irgendwann holen sie einen ein und sind eine schwere Last, schwerer als alle Gebote Gottes, die zunächst so unmöglich erscheinen.