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Aktuelles

Tagebuch (32)
In den Tageszeitungen gibt es ein Sportredaktion und eine Reisebeilage. Für beides werden weiter Artikel produziert, obwohl es keine Sportveranstaltungen gibt und niemand reist. Ähnlich fühle ich mich auch mit diesem Tagebuch: Ich schreibe, obwohl es aus Mariendonk - zum Glück - wenig zu berichten gibt. In einer großen Tageszeitung wagte ein Redakteur der Reiseredaktion neulich zu schreiben, dass er, wenn er ehrlich ist, gar nicht gerne reist, eine Ansicht, die er bis zur Corona-Krise nicht zu äußern gewagt hatte.
Ich selbst lebe in einem Kloster, in dem Reisen und Wochenendausflüge eher die Ausnahme als die Regel sind. Ich liebe meine Lebensform, trotzdem finde ich Reisen durchaus bereichernd, habe aber für manche Formen der modernen Unrast wenig Verständnis. Meine Theorie lautet, dass eine Fahrt nur sinnvoll ist, wenn man mindestens dreimal so lange am Ziel bleibt wie die Fahrt gedauert hat. Wenn das Ziel eine Tagesreise erfordert, man also für die Hin- und Rückreise zwei Tage braucht, lohnt sich das nur, wenn man sechs Tage am Ziel bleibt. Einen Tag hin, einen Tag dort und einen Tag zurück finde ich persönlich ziemlich sinnlos. Ähnliches gilt auch für Ausflüge: zwei Stunden hin, zwei Stunden zurück und dazwischen zwei Stunden dort ist in meinen Augen Energieverschwendung (im doppelten Sinn!) und ökologisch unverantwortlich.
 
Auch in Mariendonk ist es schön...
 
Tagebuch (31)
In der Apostelgeschichte gibt es mehrere Zusammenfassungen, die uns die Urgemeinde beschreiben. Manchmal frage ich mich, ob damals wirklich alles so ideal war, wie Lukas es beschreibt oder ob er uns nicht eher aufzeigen wollte, wie Kirche eigentlich sein müßte. Es heißt dort u.a. über die ersten Christen: „Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten.“
In der gestrigen Sonntagspredigt machte unser Pfarrer darauf aufmerksam, dass vier Dinge genannt werden: Glaubenslehre, kirchliche Gemeinschaft, Eucharistiefeier, Gebet. Die mittleren beiden, also Gemeinschaft und Eucharistiefeier sind zur Zeit für die meisten Menschen nicht möglich, aber Gebet ist möglich und auch das Festhalten an der Lehre der Apostel, d.h. am Glauben. Es wäre ein großer Gewinn - nicht nur für den Einzelnen, sondern für die Kirche insgesamt -, wenn viele Christen sich in diesen Wochen die Zeit nehmen würden, ihren Glauben zu vertiefen und intensiver in ihn hineinzuwachsen. Ich denke, wir brauchen in Zukunft dringend Christen, die wirklich wissen, was der Inhalt des katholischen Glaubens ist und die in der Lage sind, von diesem Glauben Rechenschaft zu geben.
 
Tagebuch (30)
Paulus schreibt im Römerbrief:
„Ich bin überzeugt, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll. Gott für uns, wer ist dann gegen uns? Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben - wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges noch Gewalten, weder Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“
 
Tagebuch (29)
Das Verbot öffentlicher Gottesdienste wurde gerade bis zum 4. Mai verlängert - staatlicherseits, aber auch von Seiten unseres Bistums. Man könnte nun sagen, dass dieses Verbot uns Schwestern von Mariendonk als geschlossene monastische Gemeinschaft nicht betrifft, aber das stimmt nicht, es betrifft uns sehr, denn es ist uns immer wichtig gewesen, ein offenes Haus zu haben und unseren Gottesdienst nicht bei verschlossenen Türen zu feiern. Doch wir werden uns an die Vorschriften halten müssen.
Was aber kann ich Ihnen sagen, die zur Zeit die Eucharistie nicht empfangen können? Vielleicht ist es vor allem wichtig, sich klar zu machen, dass Eucharistie kein Ding ist, das man empfängt, sondern ein Geschehen, etwas, was man tut. Das griechische Wort eucharistein bedeutet danken, es bedeutet, Gott zu danken für alles, was er uns geschenkt hat: das Leben, die Gemeinschaft mit Christus und... und... und... Dieses Danken kann einem kein Virus nehmen.
Kirche ist kein Gebäude und keine Hierarchie, sondern überall dort, wo Christus ist und wo Menschen durch ihn dem Vater danken. Und er ist überall, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind: an jedem Eßtisch, in jedem Gespräch über den Glauben, in jedem gemeinsamen Gebet.
 
Tagebuch (28)
In dem Fürbittenbuch in unserer Krypta fand ich den Eintrag: „Gott der Liebe und der Hoffnung - beschütze deine Welt!“ Als ich diese Bitte in mein Gebet übernahm, stutzte ich zunächst: „Beschütze deine Welt!?“ Ist es nicht doch eher unsere Welt? Können wir zu Gott sagen: „Beschütze deine Welt?“ Hat er nicht die Welt in unsere Hände gegeben, damit wir die Erde bebauen und die Schöpfung als Lebensraum erhalten und pflegen? Ist nicht die Erde unsere Welt und sind nicht wir allein verantwortlich für das, was auf ihr geschieht?
Aber die Bibel sagt uns auch, dass Gott die Welt und den Menschen zu seiner Freude geschaffen hat, dass er sich über die Schöpfung freute, als er sah, dass sie gut, ja sehr gut war. Vor allem freut Gott sich über den Menschen: „Wie der Bräutigam sich freut über die Braut, so freut sich dein Gott über dich“ und: „Der Herr, dein Gott, ist in deiner Mitte... Er freut sich und jubelt über dich, er erneuert seine Liebe zu dir, er jubelt über dich und frohlockt, wie man frohlockt an einem Festtag.“ Das heißt doch: Gott ist die Welt nicht egal, er freut sich über seine Schöpfung, er nimmt Anteil an der Welt. Und das erst recht nach der Menschwerdung seines Sohnes Jesus Christus, der in die Welt kam als Mensch wie wir, der in ihr gelebt hat, der gestorben und auferstanden ist und der als der Auferstandene die Wundmale behält und sich so seinen Jüngern zu erkennen gibt.
So kann ich also mit gutem Recht beten: „Gott der Liebe und der Hoffnung - beschütze deine Welt!“