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Aktuelles

Tagebuch (20)
Das Leitwort des Gründonnerstag ist Hingabe: Jesus gibt sich hin im Dienst an seinen Jüngern, er gibt sich hin, indem er  ihnen die Füße wäscht, und er gibt sich hin in der Eucharistie, in der sein Sterben für uns sakramental vergegenwärtigt wird.
Doch auch der Vater ist reine Hingabe. Er gibt seinen Sohn in unsere Welt, obwohl er weiß, wie wir sind. Ja, bereits bei der Zeugung des Sohnes gibt der Vater sich ganz und gar hin und behält nichts von sich zurück. Es wäre falsch und eine von der Kirche zurückgewiesene Irrlehre zu meinen, der Vater habe erst existiert und dann den Sohn gezeugt. Im menschlichen Bereich, d.h. im Bereich der Zeit, ist es natürlich so, dass ein Mensch erst da sein muss, um dann zu zeugen; kein Mensch ist immer schon Vater. Von Gott aber glauben wir, dass er nie nicht Vater war - auch das Wort “war” ist hier schon wieder zeitlich und damit falsch -, sondern dass er von Ewigkeit her den Sohn zeugte. Die Person des Vaters ist dadurch bestimmt, dass er sich ganz und gar verschenkt.
Das freie Tun des Vaters ist immer Schenken und Geben, das freie Tun des Sohnes ist, Danken, Empfangen und Gehorchen. Das wird in der Bibel besonders im Johannesevangelium deutlich. Dort wird einerseits die totale Bezogenheit des Sohnes auf den Vater ausgedrückt und andererseits seine dem Vater gleiche Göttlichkeit und Macht. Das aber bedeutet, dass in Gott Empfangen und Sich-Verdanken genauso göttlich und frei ist wie Ursprung-Sein und Sich-Verschenken. Dieser Gedanke ist für uns schwer zu vollziehen. Insgeheim meinen wir doch immer, dass Geben mehr ist als Empfangen, Herrschen mehr als Gehorchen. Darüber nachzudenken, dass es in Gott anders ist, würde zum Gründonnerstag passen.
 
Station des Kreuzwegs auf unserem Friedhof. Photo: Helmut Schmitz
 
Tagebuch (19)
Über das babylonische Exil des Volkes Israel heißt es in der Bibel: „Das Land bekam seine Sabbate ersetzt“. Die Sabbatruhe, die Gott geboten hatte und die nicht eingehalten wurde, wurde durch das furchtbare Ereignis der Eroberung Jerusalems und die Wegführung eines großen Teils der Bevölkerung, sozusagen von außen erzwungen. Vielleicht geschieht etwas Ähnliches auch in der gegenwärtigen Situation: Wir werden gezwungen, innezuhalten und nachzudenken, nachzudenken z.B. darüber, ob wir wirklich eine Gesellschaft wollen, in der alles überall und zu jeder Zeit möglich ist. Wäre es nicht menschlicher, wenn es - sogar jenseits jeder religiösen Sinngebung - wieder einen Tag der Woche gäbe, an dem alle frei sind und Zeit füreinander haben?
In Mariendonk versuchen wir Ostern vorzubereiten, ohne alles haben zu müssen, was in den vergangenen Jahren selbstverständlich war. Das betrifft die Liturgie, das Essen, aber auch den Einkauf. Wir machen die Erfahrung, das manches nicht lieferbar ist - diese Erfahrung machen Sie alle sicher auch - , außerdem die Erfahrung, dass es Dinge, die wir problemlos im Einzelhandel oder online kaufen konnten, plötzlich nicht mehr in der Menge gibt, die wir brauchen. In Coronazeiten kann man im Einzelhandel nicht mehr für 25 Personen einkaufen, selbst wenn man nicht 25 Teile braucht (z.B. Zahnpasta oder Creme), sondern vielleicht nur sechs. Man bekommt nur zwei.
 
Tagebuch (18)
Wir meditieren in diesen Tagen nicht nur den Weg Jesu ans Kreuz, sondern wir beten auch viel, allerdings nicht mit unseren eigenen Worten, sondern mit den Worten der Psalmen, der Gebete des Alten Testamentes. Es stellt sich die Frage, was diese Texte mit Jesus zu tun haben. Die Antwort ist einfach und für manche von ihnen vielleicht überraschend: Die Psalmen werden uns von Jesus gebetet und sprechen von ihm und seinem Leiden. Lange bevor er in die Welt kam, hat er, der ewige Sohn Gottes in diesen Texten sein zukünftiges Leben und Sterben verkündet, um uns so eine Hilfe für unseren Glauben zu geben. Es gibt Psalmverse, bei denen das leicht nachzuvollziehen ist ist, z.B. bei Ps 41,8-10 oder Ps 55,13f. Aber es gilt für alle Psalmen, dass Jesus der eigentliche Beter - unser Vorbeter - ist und wir uns ihm anschließen. Wenn man Psalmen betet, begreift man, dass der innere Reichtum dieser Gebete unsere Fassungskraft und unser Erlebnisvermögen sprengt, nur Jesus kann sie wirklich beten, er, der in seiner Menschwerdung die ganze Menschheit zusammenfasst und vor den Vater führt. Viele Aussagen der Psalmen, die sich zunächst nur schwer auf Christus beziehen lassen, z.B. Aussagen von Sünde und Schuld, werden durchsichtig, wenn man versteht, dass er sie stellvertretend für uns, seinen Leib und seine Kirche spricht.
 
Tagebuch (17)
Wenn wir in diesen Tagen die Leidensgeschichte lesen, dann begegnen wir in ihr immer wieder Menschen, die die Wahrheit ablehnen, obwohl sie sie klar erkennen („dieser Mensch tut viele Zeichen“; „ich finde keinen Grund ihn zu verurteilen“). Sie lehnen die Wahrheit ab, weil sie ihr Leben und ihre bisherigen Überzeugungen durcheinander bringen würde. Sie lehnen die Wahrheit ab, weil sie ihre Konsequenzen scheuen. Ich fühle mich von solchen Texte herausgefordert und frage mich: Bin ich ein Mensch, der wissen will, was wahr ist, unabhängig davon, ob es mir angenehm und meinen Plänen förderlich ist? Oder will ich meine Freiheit bewahren und nichts zur Kenntnis nehmen, was mich zwingen würde, mein Leben zu ändern und eine Richtung einzuschlagen, die ich ungemütlich und unerfreulich finde? Ich glaube, man sollte diese Fragen nicht zu schnell beantworten.
In Mariendonk sind wir nach wie vor alle gesund. Wir haben mehr Zeit als sonst und können manches erledigen, was schon lange dran war. Andererseits ist für uns wie für alle anderen die Ungewissheit schwer zu ertragen, wie lange diese Sondersituation dauern wird. Wird sich nach dem 19.4. etwas ändern? Wie werden die Bestimmungen dann lauten? Was wird dieses Jahr noch möglich sein und was nicht? Es ist eine Herausforderung, auf Pläne zu verzichten.
 
Tagebuch (16)
Leider wird das Hungertuch, das in diesem Jahr in unserer Kirche hängt, nur von wenigen Menschen gesehen werden. Es stammt von dem Künstler Jan Masa und gibt mir persönlich viel Kraft, denn es ist ein Hoffnungsbild, auf dem der Weg auf Ostern zu dargestellt ist.
Schwarz und rötlich braun häufen sich die Kreuze auf der linken Seite. Die Stationen des Leidens Jesu und die vielen Kreuze der Menschen; Leid, das sich kaum noch unterscheiden lässt und doch letztlich immer wieder das gleiche ist. Alle Angst, aller Schmerz weist uns hin auf den Tod, dem wir nicht ausweichen können und worin wir alle gleich sind.
Doch rechts ändert sich die Botschaft: eins der Kreuze ist anders. Es zerbricht in zwei Teile und entlässt strahlend ein weißes Kreuz, das nicht nur höher als alle anderen ist, sondern auch vor der Leinwand zu stehen scheint. Dieses weiße Kreuz ist das einzige Kreuz mit festen Konturen, seine Spitze erstrahlt in Gold.
In diesem Hungertuch kommt uns nicht nur das Leid der Welt, sondern auch die Botschaft der Auferstehung entgegen. Die Auferstehung ist Gottes Antwort auf den Tod. Diese Antwort strahlt schon in ganz leichtem Hauch nach links aus über die dunklen Todeskreuze der Menschheit.
Jesus, der Mensch geworden ist wie wir, der gestorben ist wie wir – er ist nicht im Tod geblieben. Sein Kreuz ist gleich und doch anders, es deutet die Kreuze dieser Welt. Er ist auferstanden und sein größter Wunsch ist, dass wir uns von ihm mitziehen lassen.
Am Ende stehen nicht die vielen Kreuze der Welt, in denen wir uns verlieren können. Das Ziel ist strahlendes Leben.
 

Aktualisierung heute um 9.30 Uhr: Falls jemand von Ihnen das Hungertuch von unserer Gästekapelle aus ansehen wollte: Es ist leider nicht zu sehen, da sich die Dübel, an denen es aufgehängt war, gelöst haben. Ich fürchte, wir müssen für dieses Jahr eine andere Lösung finden. Ich lasse den Text und das Bild trotzdem, denn die Botschaft bleibt ja.