Herzlich Willkommen!

Wir freuen uns, dass Sie unsere Homepage besuchen. Sie finden hier Informationen über unsere Gemeinschaft, über unseren Gottesdienst und über die Art und Weise, wie wir unseren Glauben leben.
Wir laden Sie ein, bei uns Gast zu sein und an unserem Gottesdienst und an unseren Veranstaltungen teilzunehmen.

Aktuelles

Tagebuch (16)
Leider wird das Hungertuch, das in diesem Jahr in unserer Kirche hängt, nur von wenigen Menschen gesehen werden. Es stammt von dem Künstler Jan Masa und gibt mir persönlich viel Kraft, denn es ist ein Hoffnungsbild, auf dem der Weg auf Ostern zu dargestellt ist.
Schwarz und rötlich braun häufen sich die Kreuze auf der linken Seite. Die Stationen des Leidens Jesu und die vielen Kreuze der Menschen; Leid, das sich kaum noch unterscheiden lässt und doch letztlich immer wieder das gleiche ist. Alle Angst, aller Schmerz weist uns hin auf den Tod, dem wir nicht ausweichen können und worin wir alle gleich sind.
Doch rechts ändert sich die Botschaft: eins der Kreuze ist anders. Es zerbricht in zwei Teile und entlässt strahlend ein weißes Kreuz, das nicht nur höher als alle anderen ist, sondern auch vor der Leinwand zu stehen scheint. Dieses weiße Kreuz ist das einzige Kreuz mit festen Konturen, seine Spitze erstrahlt in Gold.
In diesem Hungertuch kommt uns nicht nur das Leid der Welt, sondern auch die Botschaft der Auferstehung entgegen. Die Auferstehung ist Gottes Antwort auf den Tod. Diese Antwort strahlt schon in ganz leichtem Hauch nach links aus über die dunklen Todeskreuze der Menschheit.
Jesus, der Mensch geworden ist wie wir, der gestorben ist wie wir – er ist nicht im Tod geblieben. Sein Kreuz ist gleich und doch anders, es deutet die Kreuze dieser Welt. Er ist auferstanden und sein größter Wunsch ist, dass wir uns von ihm mitziehen lassen.
Am Ende stehen nicht die vielen Kreuze der Welt, in denen wir uns verlieren können. Das Ziel ist strahlendes Leben.
 

Aktualisierung heute um 9.30 Uhr: Falls jemand von Ihnen das Hungertuch von unserer Gästekapelle aus ansehen wollte: Es ist leider nicht zu sehen, da sich die Dübel, an denen es aufgehängt war, gelöst haben. Ich fürchte, wir müssen für dieses Jahr eine andere Lösung finden. Ich lasse den Text und das Bild trotzdem, denn die Botschaft bleibt ja.

Tagebuch (15)
Wenn man der momentanen Situation etwas Positives abgewinnen will, dann lernen wir in diesen Tagen neu, das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden, auf Dinge und Pläne zu verzichten, die wir eigentlich wollten und vorhatten, und dankbar zu sein für das, was jeder Tag uns schenkt. Ich merke erst jetzt, wie vieles ich in diesem Jahr geplant hatte, was nun nicht stattfinden wird. Und ich merke, dass davon die Welt nicht untergeht.
Es gibt ein schönes Gedicht von W. Bruners, „Rat“. Pfarrer Bruners rät darin, die ersten Informationen aus den Psalmen, also dem Wort Gottes, zu nehmen und erst danach die Zeitung mit ihren Hiobsbotschaften zu lesen. Das Gedicht ist älter und hat mit der Corona-Pandemie gar nichts zu tun, trotzdem paßt es gut in die jetzige Situation.

Rat

Verabschiede die Nacht
mit dem Sonnenhymnus
auch bei Nebel

hol dir die ersten
Informationen aus den
Liedern Davids

dann höre die
Nachrichten und lies
die Zeitung

beachte die Reihenfolge
wenn du die Kraft
behalten willst
die Verhältnisse zu ändern        (W. Bruners)
 
Tagebuch (14)
Bei der Feier der Profess bekommen wir unser Chorbuch überreicht mit den Worten: „Empfangen Sie das Buch für unsere Gebetszeiten; Sie sind von jetzt an beauftragt, täglich mit uns das Gotteslob zu feiern zum Heil der Welt.“ Gerade in diesen Tagen wird mir die Bedeutung dieser Worte neu deutlich. Unser Gebet ist keine Privatsache, sondern ein Auftrag der Kirche zum Heil der Welt, es ist nichts, was wir nur zur eigenen Freude tun, sondern ein Dienst für alle Menschen. Gerade jetzt, wo unsere Kirche abgeschlossen sein muss, wenn wir Gottesdienst feiern, erleben wir besonders deutlich, was Stellvertretung heißt. Wir beten nicht für uns, sondern für und mit allen.
Innerhalb der Gemeinschaft verändert sich der Blich auf die Mitschwestern. Ich freue mich über jede, die ich sehe, der ich begegne, und bin dankbar, dass sie da ist, dass sie - noch - gesund ist, dass ich da bin und - noch - gesund bin.
 
Tagebuch (13)        
„Der Gott allen Trostes“ (vgl. 2 Kor 1,1-5). Gibt es einen schöneren Gottesnamen? Getröstet zu werden, um auch andere trösten zu können, das ist christliches Leben. Es gibt so viel Not, gerade auch jetzt, diese Erde ist ein Ort, an dem viel Leid herrscht. Wir brauchen Trost, und diesen Trost können wir uns nicht selbst geben, wir stehen oft mit leeren Händen und leeren Herzen da. Herr, tröste uns! Wir bitten nicht um die Beseitigung allen Leids, denn wir verdienen es oftmals, aber wir bitten um deinen Trost.
Gestern hatten wir in unserer Gemeinschaft den jährlichen Wirtschaftsbericht unserer Cellerarin. Das letzte Jahr ist gut verlaufen, wir haben durch eigene Arbeit und Spenden genug gehabt, um alles Nötige finanzieren zu können. Aber natürlich war in der anschließenden Diskussion die Hauptfrage, wie es weitergehen wird, vor allem, ob und wie lange wir unsere Angestellten, die auf das Geld, das sie bei uns verdienen, angewiesen sind, noch ohne Kurzarbeit halten können. Ich hoffe dringend, dass die Krise nicht Monate dauert.
 
Tagebuch (12)
Im Moment beeilen sich evangelische und katholische Theologen, die Vorstellung, die Pandemie sei eine Strafe Gottes, als zynisch zurückzuweisen. Sicher ist es vermessen und falsch, wenn Menschen in der jetzigen Situation den Zeigefinger erheben und genau zu wissen meinen, für welche Sünden (meistens ihrer Mitmenschen!) hier die Rechnung präsentiert wird. Im Evangelium finden wir mehrfach die Aussage Jesu (Lk 13,1-5; Joh 9,1-3), dass dieser Zusammenhang von uns nicht hergestellt werden darf, weil wir das Wirken Gottes in dieser Welt nicht durchschauen.
Wohl aber kann ein Unglück wie diese Pandemie ein Anlass sein nachzudenken, umzukehren und neu zu glauben. Wir können nicht sagen, für welche Sünden in der Vergangenheit die Pandemie eine Strafe ist, wohl aber sollte sie für uns ein Anstoß sein uns zu fragen, wohin wir in Zukunft gehen wollen. Wenn das geschieht, wäre sie zu unserem Heil und vielleicht irgendwann sogar ein Grund zur Dankbarkeit.
Schon jetzt gibt es auch viel Gutes: 75 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs nehmen deutsche Kliniken französische Patienten auf, weil hier noch Beatmungsplätze frei sind; in Dresden werden italienische Patienten eingeflogen; chinesische Teams reisen in andere Länder, um ihre Kollegen zu unterstützen und ihre Erfahrungen weiterzugeben. Globalisierung mag mit zu den Ursachen der Pandemie zählen, doch es gibt sie auch im Positiven: einstige Feinde teilen Beatmungsplätze auf Intensivstationen.