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Aktuelles

Tagebuch (6)
Im Moment lese ich von Dava Sobel „Galilios Tochter“, ein lohnendes Buch sowohl als Biographie über Galilei als auch für Kirchengeschichte des 16./17. Jhs als auch in Bezug auf das Ordensleben in dieser Zeit. Erhalten sind in der Nationalbibliothek von Florenz die Briefe von Galileis Tochter, die Nonne war, an ihren Vater. Diese Briefe werden in dem Buch zitiert und in das Leben Galileis eingeordnet. Warum ich das schreibe? Weil ich ein Zitat aus diesem Buch bringen möchte, das wohl für sich selbst spricht:
„Der Doge von Venedig war der erste, der 1348 eine offizielle Quarantäne einführte, nachdem die Zahl der Pesttoten in der Stadt auf täglich sechshundert angestiegen war. Vierzig Tage lang (une quarantaine: so wurde die Dauer der Hafensperre für seuchenverdächtige Schiffe genannt, daher das Wort Quarantäne) wurden zurückkehrende Orientreisende vom Rest der Bevölkerung ferngehalten - so viele Tage, wie Jesus sich in der Wüste zurückgezogen hatte“ (218f).
Zur Frage wie es uns geht, gibt ein Interview Auskunft, das ich den Vatican News am Telefon gab:
https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2020-03/corona-krise-aebtissin-mariendonk-christiana-reemts-medienkonsum.html

Tagebuch (5)
Heute feiert die Kirche das Fest der „Verkündigung des Herrn“ und damit den Anfang der irdischen Geschichte Jesu. In den Texten der Liturgie begegnen viele weihnachtliche Motive, die in der Fastenzeit fremd klingen und aufhorchen lassen. Gott hat seinen Sohn in die Welt gesandt als Mensch unter Menschen. Und er hat ihn nicht in eine heile Welt gesandt, nicht in gesicherte Verhältnisse, wie man es von einem guten Vater erwarten würde, der frei ist und die Wahl hat. Aber Gott wollte für seinen Sohn keine heile Sonderwelt schaffen, denn die reale Welt ist nicht heil. Erst durch das Kommen Christi wird sie heil, durch seinen Weg durch das ganz gewöhnliche menschliche Leben, bis hin zu einem schrecklichen Tod. Nein, bis zur Auferstehung. Wir haben einen Herrn, der die Nöte der Menschen kennt – halten wir an ihm fest und gehen wir seinen Weg mit. Dieser Weg endet im Licht.
Von uns Schwestern ist nach wie vor niemand krank und wir versuchen, so gut es geht, durch Telefon und Emails zu helfen. Es ist für viele Menschen sehr schwer und wir fühlen uns schon allein dadurch, dass wir uns gegenseitig stützen können, sehr privilegiert.

Tagebuch (4)
„Und führe uns nicht in Versuchung“. Für mich selbst sehe ich im Moment vor allem die Versuchung, in Selbstmitleid zu verfallen, um mich selbst zu kreisen, zu jammern und empört zu denken, dass mir das alles doch gar nicht zustoßen darf. Verwöhnte Mitteleuropäer, die wir sind, meinen wir, wir hätten das Recht auf ein sorgenfreies, geschütztes Leben. Dabei gibt es auf der Welt - Corona-Krise hin oder her - auch noch ganz andere Sorgen:
- die Menschen in Ostafrika, die vom Hungertod bedroht sind
- die unbegleiteten Kinder in den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln
- die Menschen im Jemen, in Syrien und Haiti...
Sicher, für viele von uns ist die Situation eine große Herausforderung. Üben wir uns in der Tugend der Tapferkeit!
In Mariendonk lernen wir Tag für Tag zu schauen, was dran ist. Im Moment ist unsere Paramentennäherei gefordert, denn auf Bitten einer befreundeten Ärztin werden dort nicht mehr Meßgewänder genäht, sondern Mundschutze. Manchmal kommt mir das alles wir ein Traum vor, aus dem wir gleich aufwachen werden, aber ich fürchte, es ist die Realität. Nochmal: Üben wir uns in der Tugend der Tapferkeit!
 

Tagebuch (3)
Gestern sagte eine alte Mitschwester, in ihr kämen Erinnerungen an den Krieg hoch: die Angst, das ständige Gefühl der Bedrohung, die Hilflosigkeit. Ich denke, das wird vielen älteren Menschen so gehen. Und wir anderen, die nie einen Krieg erlebt haben, erfahren jetzt zum ersten Mal eine solch existentielle Bedrohung, die nicht nur einzelne, sondern alle trifft. Das zwingt uns, das zu leisten, was die Psychologen „Trauerarbeit“ nennen, denn wir müssen uns von ganz vielen Wünschen, Projekten und Plänen trennen. Reisen, Feste, Konzerte, Sport - alles nicht mehr möglich, vielleicht auf Monate nicht. Das tut weh und sich damit auszusöhnen, kostet innere Kraft.
In seinem Brief an die Gemeinde in  Philippi spricht der Apostel Paulus immer wieder von Freude, und das in einer Situation, die für ihn alles andere als verheißungsvoll ist. Er sitzt im Gefängnis, hat einen Prozess vor sich und weiß nicht, wie der ausgeht: Freispruch? Hinrichtung? Und da schreibt er: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! Eure Güte werde allen Menschen bekannt. Der Herr ist nahe. Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott! Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken in Christus Jesus bewahren“ (Phil 4,4-7).
Wir alle wissen nicht, wie die Zukunft aussieht. Was wir aber sicher wissen, ist, dass der Herr nahe ist! Wir gehen auf Ostern zu, das Fest, an dem wir die Auferstehung Christi feiern. Aufgrund der Auferstehung lebt Christus nun ein Leben, in dem er uns allen immer nahe ist. Welch eine Zusage! Wenn das kein Grund zur Freude ist!
In Mariendonk versuchen wir ein Stück Normalität aufrecht zu halten, gleichzeitig aber auch neue Wege zu finden. Ein kleines Beispiel: Eine unserer Schwestern ist Klavierlehrerin und will ihre Schüler jetzt von zuhause aus unterrichten. Für sie richten wir jetzt mit Hochdruck eine Möglichkeit zum skypen ein, obwohl wir den neue Medien sonst eher reserviert gegenüber stehen.

Tagebuch (2)
In der Mitte der Fastenzeit - also heute - feiert die Kirche „Laetare“. Der Tag ist nach dem Eingangsgesang benannt, in dem es heißt: „Frohlocke, Jerusalem! Kommt herbei, versammelt euch, freut euch alle.“ Nichts könnte mehr aus der gegenwärtigen Zeit gefallen sein als diese Worte. Sich versammeln - ganz gefährlich! Sich freuen - dafür gibt es wirklich keinen Grund!
Aber stimmt das? Kommen wir uns nicht in dieser Zeit innerlich viel näher? Versammelt uns das Virus nicht sogar in gewisser Weise und führt uns zusammen in gemeinsamer Sorge? Und die Freude? Wir konnten uns unsere Freude bisher weitgehend selbst organsieren: Ausflüge, Reisen, Konzerte, Besuche, alles war möglich. Jetzt müssen, nein dürfen wir Freude empfangen, indem wir das Gegebene jedes Tages wertschätzen. Es gibt so vieles, was gut und schön ist!
Unsere Gemeinschaft ist jetzt unter sich, wir sind sozusagen die Kernfamilie, die sich Sorgen um einander macht und hofft, dass kein Mitglied krank wird und ins Krankenhaus muss. Das wäre unter den gegebenen Umständen sehr schwer.
Zum Schluss noch zwei Vorschläge zur Lektüre:
1. Lesen Sie doch einmal das ganze Johannesevangelium. Wenn Sie heute damit anfangen und jeden Tag ein Kapitel lesen, sind Sie an Ostern bei den Auferstehungsberichten. Die Zeit dafür haben Sie vielleicht gerade jetzt.
2. Wenn Sie etwas Mutmachendes brauchen, empfehle ich den Text eines ganz säkularen Propheten, hoffen wir, dass er recht hat:
https://www.absatzwirtschaft.de/das-ende-von-corona-wie-wir-uns-wundern-werden-wenn-die-krise-vorbei-ist-170962/
Einen gesegneten Sonntag!