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Aktuelles

Tagebuch (22)
Heute, am Karsamstag, habe ich einige Texte aus dem biblischen Buch der Klagelieder zusammengestellt. Denn als Christ darf man klagen, man darf Gott sogar anklagen und ihm Vorwürfe machen, wichtig ist nur, dass man das Gespräch mit ihm nicht abbricht.

Du hast mich aus dem Frieden hinausgestoßen;  ich habe vergessen, was Glück ist.
Ich sprach: Dahin ist mein Glanz  und mein Vertrauen auf den Herrn.
Immer denkt meine Seele daran  und ist betrübt in mir.

Doch das will ich mir zu Herzen nehmen,  darauf darf ich harren:
Die Huld des Herrn ist nicht erschöpft,  sein Erbarmen ist nicht zu Ende.
Neu ist es an jedem Morgen;  groß ist deine Treue.

Mein Anteil ist der Herr, sagt meine Seele,  darum harre ich auf ihn.
Gut ist der Herr zu dem, der auf ihn hofft,  zur Seele, die ihn sucht.
Gut ist es, schweigend zu harren  auf die Hilfe des Herrn.

Denn nicht für immer  verwirft der Herr.
Hat er betrübt, erbarmt er sich auch wieder  nach seiner großen Huld.
Denn nicht freudigen Herzens  plagt und betrübt er die Menschenkinder.

Wer hat gesprochen und es geschah?  Hat nicht der Herr es geboten?
Geht nicht hervor aus des Höchsten Mund  das Gute wie auch das Böse?
Prüfen wir unsre Wege, erforschen wir sie  und kehren wir um zum Herrn!

Du, Herr, thronst ewig,  dein Thron besteht von Geschlecht zu Geschlecht.
Warum willst du uns für immer vergessen,  uns verlassen fürs ganze Leben?
Lass du, Herr, uns zurückkehren zu dir,  dann kehren wir um!  Erneuere unsere Tage wie in der Urzeit.
Oder hast du uns denn ganz verworfen,  zürnst du uns über alle Maßen?

Station des Kreuzwegs auf unserem Friedhof. Photo: Helmut Schmitz
 
Tagebuch (21)
Als Christen haben wir nicht den Trost, dass es wohl nicht so schlimm kommen wird und dass wir gewiss alles überstehen werden. Nein, wir werden alle sterben. Vielleicht nicht jetzt und nicht an dem Covid-19-Virus, aber was bedeutet das schon? Auch wenn wir die jetzige Krise und noch 27 andere überleben, werden wir einmal sterben. Wir haben auch nicht den Trost, dass Gott die retten wird, die „lieb und brav sind und seinen Geboten folgen“. Wenn es Jesus, der ohne Sünde war, nicht vor dem Tod bewahrt hat, wird er uns auch nicht bewahren. Aber wir glauben an ein Leben jenseits der Todesgrenze, das ist die Botschaft von Ostern.
In allen vier Berichten, in denen das Leiden Jesu erzählt wird. ist ein Detail gleich: Jesus stirbt nicht allein, sondern er ist einer von Dreien, die an diesem Tag hingerichtet werden. Und noch in einem weiteren Detail stimmen die Berichte überein: Jesus ist in der Mitte! Vielleicht dürfen wir wagen, auch umgekehrt zu formulieren: Seit Jesus inmitten von zwei Verbrechern, inmitten zweier Menschen wie wir alle, gestorben ist, stirbt niemand mehr allein, so verlassen er in seiner Todesstunde auch sein mag. Jesus ist jedem Sterbenden nahe, auch denen, die in diesen Tagen und Wochen einsam und ohne menschliche Nähe auf einer Intensivstation sterben. Und was noch mehr ist: Er ist nicht nur im Sterben bei ihnen. Er erwartet sie jenseits des dunklen Tores, durch das jeder Mensch hindurch muss, im strahlenden Licht seiner Auferstehung.
 
Station des Kreuzwegs auf unserem Friedhof. Photo: Helmut Schmitz
 
 
Tagebuch (20)
Das Leitwort des Gründonnerstag ist Hingabe: Jesus gibt sich hin im Dienst an seinen Jüngern, er gibt sich hin, indem er  ihnen die Füße wäscht, und er gibt sich hin in der Eucharistie, in der sein Sterben für uns sakramental vergegenwärtigt wird.
Doch auch der Vater ist reine Hingabe. Er gibt seinen Sohn in unsere Welt, obwohl er weiß, wie wir sind. Ja, bereits bei der Zeugung des Sohnes gibt der Vater sich ganz und gar hin und behält nichts von sich zurück. Es wäre falsch und eine von der Kirche zurückgewiesene Irrlehre zu meinen, der Vater habe erst existiert und dann den Sohn gezeugt. Im menschlichen Bereich, d.h. im Bereich der Zeit, ist es natürlich so, dass ein Mensch erst da sein muss, um dann zu zeugen; kein Mensch ist immer schon Vater. Von Gott aber glauben wir, dass er nie nicht Vater war - auch das Wort “war” ist hier schon wieder zeitlich und damit falsch -, sondern dass er von Ewigkeit her den Sohn zeugte. Die Person des Vaters ist dadurch bestimmt, dass er sich ganz und gar verschenkt.
Das freie Tun des Vaters ist immer Schenken und Geben, das freie Tun des Sohnes ist, Danken, Empfangen und Gehorchen. Das wird in der Bibel besonders im Johannesevangelium deutlich. Dort wird einerseits die totale Bezogenheit des Sohnes auf den Vater ausgedrückt und andererseits seine dem Vater gleiche Göttlichkeit und Macht. Das aber bedeutet, dass in Gott Empfangen und Sich-Verdanken genauso göttlich und frei ist wie Ursprung-Sein und Sich-Verschenken. Dieser Gedanke ist für uns schwer zu vollziehen. Insgeheim meinen wir doch immer, dass Geben mehr ist als Empfangen, Herrschen mehr als Gehorchen. Darüber nachzudenken, dass es in Gott anders ist, würde zum Gründonnerstag passen.
 
Station des Kreuzwegs auf unserem Friedhof. Photo: Helmut Schmitz
 
Tagebuch (19)
Über das babylonische Exil des Volkes Israel heißt es in der Bibel: „Das Land bekam seine Sabbate ersetzt“. Die Sabbatruhe, die Gott geboten hatte und die nicht eingehalten wurde, wurde durch das furchtbare Ereignis der Eroberung Jerusalems und die Wegführung eines großen Teils der Bevölkerung, sozusagen von außen erzwungen. Vielleicht geschieht etwas Ähnliches auch in der gegenwärtigen Situation: Wir werden gezwungen, innezuhalten und nachzudenken, nachzudenken z.B. darüber, ob wir wirklich eine Gesellschaft wollen, in der alles überall und zu jeder Zeit möglich ist. Wäre es nicht menschlicher, wenn es - sogar jenseits jeder religiösen Sinngebung - wieder einen Tag der Woche gäbe, an dem alle frei sind und Zeit füreinander haben?
In Mariendonk versuchen wir Ostern vorzubereiten, ohne alles haben zu müssen, was in den vergangenen Jahren selbstverständlich war. Das betrifft die Liturgie, das Essen, aber auch den Einkauf. Wir machen die Erfahrung, das manches nicht lieferbar ist - diese Erfahrung machen Sie alle sicher auch - , außerdem die Erfahrung, dass es Dinge, die wir problemlos im Einzelhandel oder online kaufen konnten, plötzlich nicht mehr in der Menge gibt, die wir brauchen. In Coronazeiten kann man im Einzelhandel nicht mehr für 25 Personen einkaufen, selbst wenn man nicht 25 Teile braucht (z.B. Zahnpasta oder Creme), sondern vielleicht nur sechs. Man bekommt nur zwei.
 
Tagebuch (18)
Wir meditieren in diesen Tagen nicht nur den Weg Jesu ans Kreuz, sondern wir beten auch viel, allerdings nicht mit unseren eigenen Worten, sondern mit den Worten der Psalmen, der Gebete des Alten Testamentes. Es stellt sich die Frage, was diese Texte mit Jesus zu tun haben. Die Antwort ist einfach und für manche von ihnen vielleicht überraschend: Die Psalmen werden uns von Jesus gebetet und sprechen von ihm und seinem Leiden. Lange bevor er in die Welt kam, hat er, der ewige Sohn Gottes in diesen Texten sein zukünftiges Leben und Sterben verkündet, um uns so eine Hilfe für unseren Glauben zu geben. Es gibt Psalmverse, bei denen das leicht nachzuvollziehen ist ist, z.B. bei Ps 41,8-10 oder Ps 55,13f. Aber es gilt für alle Psalmen, dass Jesus der eigentliche Beter - unser Vorbeter - ist und wir uns ihm anschließen. Wenn man Psalmen betet, begreift man, dass der innere Reichtum dieser Gebete unsere Fassungskraft und unser Erlebnisvermögen sprengt, nur Jesus kann sie wirklich beten, er, der in seiner Menschwerdung die ganze Menschheit zusammenfasst und vor den Vater führt. Viele Aussagen der Psalmen, die sich zunächst nur schwer auf Christus beziehen lassen, z.B. Aussagen von Sünde und Schuld, werden durchsichtig, wenn man versteht, dass er sie stellvertretend für uns, seinen Leib und seine Kirche spricht.