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Aktuelles

Tagebuch (7)
Eine gute Freundin schrieb mir, dass es sie traurig macht, von seiten der Kirche hauptsächlich zu hören, dass es keine Gottesdienste mehr gibt. Das findet sie wenig aufbauend, ja fast destruktiv. Die Kirche sollte eher eine Ermutigung zum persönlichen Gebet geben und alle Christen an ihr allgemeines, königliches Priestertum erinnern, das sie dazu beruft, stellvertretend für die ganze Menschheit Gott um Erbarmen und Hilfe anzuflehen. Denn genau in dieser Stellvertretung und in der priesterlichen „Pro-Existenz“ liegt unsere Würde als Christen. Meine Freundin schloss ihren Brief: „Vertrauen und Zuversicht, das sollten die neuesten Schlagworte werden.“
Dem kann ich mich nur anschließen, wobei unser fürbittendes Gebet sehr einfach sein kann. Die Christen der frühen Kirche beteten dreimal am Tag das Vaterunser. Ich höre den Einwand: „Aber das ist doch kein Fürbittgebet.“ Doch es ist ein Fürbittgebet, wenn man es bewusst als solches betet, d.h. das „unser“ betont. Wer dafür eine Anregung braucht, den verweise ich auf meinen Aufsatz zum Vaterunser: https://www.geistige-schriftauslegung.de/artikel/art000030.pdf.
Hier in Mariendonk geht das Leben in gewisser Weise wie gewohnt weiter und es gibt Schönes zu berichten. Schwester Paula steht am Ende ihrer Noviziatszeit und hat am Montag in der feierlichen Form der sogenannten Petitio um die Zulassung zur Profess gebeten. Darüber stimmte die Gemeinschaft heute ab, denn nur jemand, zu dem die Gemeinschaft mit überwältigender Mehrheit (mindestens Zweidrittelmehrheit) ja sagt, kann für immer bei uns leben. Schwester Paula darf ihre Profess ablegen. Das ist ein Anlass zur Freude!

Tagebuch (6)
Im Moment lese ich von Dava Sobel „Galilios Tochter“, ein lohnendes Buch sowohl als Biographie über Galilei als auch für Kirchengeschichte des 16./17. Jhs als auch in Bezug auf das Ordensleben in dieser Zeit. Erhalten sind in der Nationalbibliothek von Florenz die Briefe von Galileis Tochter, die Nonne war, an ihren Vater. Diese Briefe werden in dem Buch zitiert und in das Leben Galileis eingeordnet. Warum ich das schreibe? Weil ich ein Zitat aus diesem Buch bringen möchte, das wohl für sich selbst spricht:
„Der Doge von Venedig war der erste, der 1348 eine offizielle Quarantäne einführte, nachdem die Zahl der Pesttoten in der Stadt auf täglich sechshundert angestiegen war. Vierzig Tage lang (une quarantaine: so wurde die Dauer der Hafensperre für seuchenverdächtige Schiffe genannt, daher das Wort Quarantäne) wurden zurückkehrende Orientreisende vom Rest der Bevölkerung ferngehalten - so viele Tage, wie Jesus sich in der Wüste zurückgezogen hatte“ (218f).
Zur Frage wie es uns geht, gibt ein Interview Auskunft, das ich den Vatican News am Telefon gab:
https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2020-03/corona-krise-aebtissin-mariendonk-christiana-reemts-medienkonsum.html

Tagebuch (5)
Heute feiert die Kirche das Fest der „Verkündigung des Herrn“ und damit den Anfang der irdischen Geschichte Jesu. In den Texten der Liturgie begegnen viele weihnachtliche Motive, die in der Fastenzeit fremd klingen und aufhorchen lassen. Gott hat seinen Sohn in die Welt gesandt als Mensch unter Menschen. Und er hat ihn nicht in eine heile Welt gesandt, nicht in gesicherte Verhältnisse, wie man es von einem guten Vater erwarten würde, der frei ist und die Wahl hat. Aber Gott wollte für seinen Sohn keine heile Sonderwelt schaffen, denn die reale Welt ist nicht heil. Erst durch das Kommen Christi wird sie heil, durch seinen Weg durch das ganz gewöhnliche menschliche Leben, bis hin zu einem schrecklichen Tod. Nein, bis zur Auferstehung. Wir haben einen Herrn, der die Nöte der Menschen kennt – halten wir an ihm fest und gehen wir seinen Weg mit. Dieser Weg endet im Licht.
Von uns Schwestern ist nach wie vor niemand krank und wir versuchen, so gut es geht, durch Telefon und Emails zu helfen. Es ist für viele Menschen sehr schwer und wir fühlen uns schon allein dadurch, dass wir uns gegenseitig stützen können, sehr privilegiert.

Tagebuch (4)
„Und führe uns nicht in Versuchung“. Für mich selbst sehe ich im Moment vor allem die Versuchung, in Selbstmitleid zu verfallen, um mich selbst zu kreisen, zu jammern und empört zu denken, dass mir das alles doch gar nicht zustoßen darf. Verwöhnte Mitteleuropäer, die wir sind, meinen wir, wir hätten das Recht auf ein sorgenfreies, geschütztes Leben. Dabei gibt es auf der Welt - Corona-Krise hin oder her - auch noch ganz andere Sorgen:
- die Menschen in Ostafrika, die vom Hungertod bedroht sind
- die unbegleiteten Kinder in den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln
- die Menschen im Jemen, in Syrien und Haiti...
Sicher, für viele von uns ist die Situation eine große Herausforderung. Üben wir uns in der Tugend der Tapferkeit!
In Mariendonk lernen wir Tag für Tag zu schauen, was dran ist. Im Moment ist unsere Paramentennäherei gefordert, denn auf Bitten einer befreundeten Ärztin werden dort nicht mehr Meßgewänder genäht, sondern Mundschutze. Manchmal kommt mir das alles wir ein Traum vor, aus dem wir gleich aufwachen werden, aber ich fürchte, es ist die Realität. Nochmal: Üben wir uns in der Tugend der Tapferkeit!
 

Tagebuch (3)
Gestern sagte eine alte Mitschwester, in ihr kämen Erinnerungen an den Krieg hoch: die Angst, das ständige Gefühl der Bedrohung, die Hilflosigkeit. Ich denke, das wird vielen älteren Menschen so gehen. Und wir anderen, die nie einen Krieg erlebt haben, erfahren jetzt zum ersten Mal eine solch existentielle Bedrohung, die nicht nur einzelne, sondern alle trifft. Das zwingt uns, das zu leisten, was die Psychologen „Trauerarbeit“ nennen, denn wir müssen uns von ganz vielen Wünschen, Projekten und Plänen trennen. Reisen, Feste, Konzerte, Sport - alles nicht mehr möglich, vielleicht auf Monate nicht. Das tut weh und sich damit auszusöhnen, kostet innere Kraft.
In seinem Brief an die Gemeinde in  Philippi spricht der Apostel Paulus immer wieder von Freude, und das in einer Situation, die für ihn alles andere als verheißungsvoll ist. Er sitzt im Gefängnis, hat einen Prozess vor sich und weiß nicht, wie der ausgeht: Freispruch? Hinrichtung? Und da schreibt er: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! Eure Güte werde allen Menschen bekannt. Der Herr ist nahe. Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott! Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken in Christus Jesus bewahren“ (Phil 4,4-7).
Wir alle wissen nicht, wie die Zukunft aussieht. Was wir aber sicher wissen, ist, dass der Herr nahe ist! Wir gehen auf Ostern zu, das Fest, an dem wir die Auferstehung Christi feiern. Aufgrund der Auferstehung lebt Christus nun ein Leben, in dem er uns allen immer nahe ist. Welch eine Zusage! Wenn das kein Grund zur Freude ist!
In Mariendonk versuchen wir ein Stück Normalität aufrecht zu halten, gleichzeitig aber auch neue Wege zu finden. Ein kleines Beispiel: Eine unserer Schwestern ist Klavierlehrerin und will ihre Schüler jetzt von zuhause aus unterrichten. Für sie richten wir jetzt mit Hochdruck eine Möglichkeit zum skypen ein, obwohl wir den neue Medien sonst eher reserviert gegenüber stehen.