Zur Zeit lesen wir in der Mittagshore und in der Vesper das 2. Buch der Könige - keine sehr erbauliche Lektüre. Die Könige Israels und Judas werden an ihrer Treue zu Jahwe und seinen Weisungen gemessen, die sich daran erweisen muss, dass sie alle kanaanäischen Kultstätten dem Boden gleichmachen und die dortigen Priester umbringen. Die meisten Könige versagen, zu faszinierend sind die einheimische Kulte. Doch selbst ein Mann wie Jehu (vgl. 2Kön 10) erhält nur eingeschränkt die Zustimmung Gott, weil er zwar die Fremdkulte in Israel vernichtete, nicht aber die eigenmächtigen Formen der Jahweverehrung, die entwickelt worden waren, damit es überall erreichbare Kultorte gab, gerade dort, wo der Tempel in Jerusalem weit war.
Das polemisch auf unsere Kirche zu beziehen, auf selbstgemachte Gottesdienste, ist einfach, vielleicht zu einfach, denn damit schiebe ich das Wort Gottes zu schnell von mir weg. Doch wo stellen  diese Bücher mich in Frage, wo richten sie mich? Wo mache ich mir mein Gottesbild, mein Christusbild, mein Gebetsleben so zurecht, wie es für mich am bequemsten ist?
Niemand sollte diese Frage zu schnell beantworten, denn wir halten immer das, was wir gerade tun, für das Richtige und Beste. Doch es gibt Sünde nicht nur außen, sondern gerade auch im Innersten und Persönlichsten, in meiner Beziehung zu Gott.