Blog von Äbtissin Christiana Reemts

Neulich las ich den Beitrag eines katholischen Medienexperten, der schrieb, die Kirche mache bis jetzt kaum digitale Angebote, sondern höchstens digitalisierte. Ich verstand sofort, was er meinte, weil es auch auf mich zutrifft. Ich biete einiges von dem, was ich auch sonst anbieten würde, nun im Netz an, aber ohne wirklich auf die Besonderheiten dieses Mediums einzugehen. Deutlich wird das auch an diesem Blog...Hin und wieder werde ich aufgefordert, ihn in einen „richtigen“ Blog zu überführen, den man abonnieren kann und der eine Kommentarfunktion hat. Aber dazu müßte ich mich darauf einlassen, viel mehr online zu sein. Das aber will und kann ich nicht. Ich bin Nonne und Schweigen spielt in unserer Spiritualität eine große Rolle.
 
Letzte Woche las ich etwas über Artenschutz, konkret über Rotmilane. Die Hälfte der Population lebt in Deutschland und ist akut gefährdet, wenn der Bau von Windrädern vorangetrieben wird.
Nachhaltigkeit stößt immer wieder auf solche Dilemmata: Wir möchten saubere Energie (Windkraftanlagen, in gewisser Weise auch Atomkraftwerke), aber diese verursachen Probleme in anderer Beziehung. Über allem steht die unausgesprochene Prämisse: Wir wollen unseren Lebensstandard halten und möglichst sogar steigern. Aber ich glaube, wir müßten einfacher und ärmer leben, alles andere wird uns nicht weiter bringen, wir werden die Dinge nicht in den Griff bekommen. Aber das ist leichter gesagt als getan, auch für ein Kloster ist das schwierig, vor allem weil wir ja nicht aus der Gesellschaft mit ihren Forderungen aussteigen können.
Christlicher Glaube ist nichts, was die sich nur im Kopf abspielt, er ist nicht nur eine Überzeugung, sondern eine Verwandlung des ganzen Menschen.
Sehr deutlich wird das bei den Sakramenten, die man niemals virtuell empfangen kann, man braucht reales Wasser, Öl und Brot. Man kann nicht im Internet Eucharistie feiern. Aber dasselbe gilt auch für das Wort Gottes, es will mich hier und heute treffen und kann daher nicht in Konserven abgefüllt werden. Insofern stehe ich Youtube-Predigten sehr skeptisch gegenüber, etwas anderes sind Zoom-Veranstaltungen, bei denen zwar das „Hier“ fehlt, aber wenigstens das „Heute“ gegeben ist.
Allerdings ist die Frage einer Mitschwestern berechtigt: Was ist eigentlich bei Büchern anders, warum beurteile ich sie positiver? Ist es nur Gewöhnung an dieses Medium oder gibt es wirklich Gründe für diese Bevorzugung?
 
Vor einigen Tagen sprachen wir in der Gemeinschaft über unsere Erfahrungen mit digitalen Veranstaltungen. Viele Mitschwestern sind begeistert über die neuen Möglichkeiten der Glaubensverkündigung. Ich nutze diese Möglichkeiten auch, habe aber große Zweifel, ob sie nicht eher Verlust als Gewinn sind. Wir können in immer kürzerer Zeit immer mehr machen, weil wir keine Wege zurücklegen müssen, und (bei abgeschaltetem Bild), während wir ein Seminar besuchen, gleichzeitig essen, Gymnastik treiben und unser Zimmer putzen können. Und als Referentin kann ich unmittelbar vor und nach einem Seminar noch ganz anderen Arbeiten erledigen. Aber wo bin ich wirklich anwesend - mit Leib und Seele?
 
Das heutige Fest der Erscheinung des Herrn, das Weihnachtsfest der orthodoxen Christen, ist ein Fest des Lichtes. Christus, das Licht der Welt, ist erschienen und wir leben deshalb nicht mehr in der Finsternis. Nachdenklich gemacht hat mich ein Gebet, das wir in Mariendonk heute beten: „Der strahlende Glanz dieses Festtages möge unser Herz erleuchten, damit wir ganz auf die Finsternis dieser Welt verzichten können.“
Hier wird über die „Finsternis dieser Welt“ gesagt, dass sie höchst attraktiv ist und niemand gerne auf sie verzichtet. Nur wem Gott seine Gnade schenkt, kann diesen Verzicht leisten.
Dieses Gebet hat etwas Paradoxes, denn wenn ich es bete, habe ich schon erkannt, dass ich eigentlich zu Christus gehören will - sonst würden ich nicht so beten - aber andererseits zugeben muss, dass ich noch nicht „ganz“ auf die Finsternis der Welt verzichten kann und will. Was aber ist „Finsternis dieser Welt“? Gemeint ist wohl alles, was mich nicht näher zu Christus bringt, alles in meinem Leben, was ich ihm nicht hinhalten kann, alles, was im Letzten fruchtlos ist.