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Blog von Schwester Christiana

23. Juli 2024

Unser Verstand ist kein reiner Geist, sondern braucht die Hinwendung zu den Dingen der sinnlich wahrnehmbaren Welt, nur so leben wir ganzheitlich und in Freude. Auch der Glaube braucht eine irdisch faßbare Gestalt. Diese Gestalt hat Gott uns in Jesus Christus geschenkt. Jeder Versuch, Gott rein geistig im eigenen Inneren zu finden, wird in eine letztlich unfruchtbare Gnosis geraten oder anders ausgedrückt, er wird nicht dem lebendigen Gott begegnen, sondern nur sich selbst finden und dahinter das Nichts.

13. Juli 2024

Letzte Woche war ich auf dem Ordenstag unserer Diözese, weil man mich gebeten hatte, dort einen Vortrag zu halten. In den vergangenen Jahren bin ich nie mitgefahren, aufgrund, wie ich zugeben muss, unrichtiger Vorurteile: Langweilig, nur alte Schwestern und Brüder oder Ausländerinnen kommen dahin, mit denen man sich nicht unterhalten kann, weil sie zu wenig Deutsch sprechen. Das alles stimmte nicht; der Ordenstag ist inzwischen durch die vielen Schwestern aus anderen Ländern eher jung, und diese sind sehr intelligente, aufgeschlossene und selbstbewußte Frauen, die wissen, was sie wollen und mit denen man sich sehr gut unterhalten kann.  In meiner abendlichen Tagesreflexion habe ich mich gefragt, ob es nicht auch bei mir einen unterschwelligen Rassismus oder zumindest ein eurozentrisches Überlegenheitsgefühl gibt. Das hat mich ziemlich betroffen gemacht, denn a. will ich beides nicht und b. gibt es für beides nicht den geringsten Grund - wir sind jetzt diejenigen, die missioniert werden müssen.
Mein Vortrag war ein rein geistlicher Vortrag, es sollte um „Kraftorte“ gehen. Wer sich dafür interessiert, findet ihn hier.

08. Juli 2024

„Ich habe keine Zeit.“ In der Bibel wird nur von einem gesagt, dass er keine Zeit hat, vom Teufel. Der Teufel „weiß, dass er nur wenig Zeit hat“ (Off 12,12). Wir dagegen haben Zeit, letztlich sogar unendlich viel Zeit. Es fehlt uns nur der Glaube, deshalb hetzen wir so oft. 

06. Juli 2024

Nachtrag zu meinem vorigen Artikel:
Die jungen Erwachsenen, die zu uns kommen, haben oft angesichts der Fülle der Möglichkeiten, die ihnen offenstehen, Schwierigkeiten sich für etwas zu entscheiden. Beruf, Partner, Gemeinschaft - immer geht die Frage mit: Habe ich wirklich das Beste gefunden oder gibt es noch etwas, was besser zu mir passt? Diese Frage kann zerreißen. Und ich erlebe, dass es Menschen gibt, bei denen, selbst wenn sie eine Wahl getroffen haben, der Zweifel bleibt und oft sehr unglücklich macht: Ist mein Beruf der richtige? War es richtig, diesen Mann (diese Frau) zu heiraten)? usw. 
Erst wenn ein Mensch nicht mehr das für ihn beste Leben sucht, sondern radikal Jesus Christus folgt, lösen sich diese Fragen, weil es dann ein Zentrum gibt, das alles andere auf den zweiten Platz verweist. Die Sendung durch Jesus „übersteigt die Fragwürdigkeiten menschlicher Selbstwahl und Selbsteinschätzung, die den meisten Lebensformen in der Tiefe anhaftende Unsicherheit und Schwermut (weil noch etwas ganz anderes möglich gewesen wäre, weil das eigentlich Gemeinte und Angestrebte nie erreicht worden ist)“ (H.U.v.Baltnasar).

04. Juli 2024

Ich höre oft die Frage, ob ich nicht das Gefühl habe, im Kloster etwas zu verpassen. Nein, diese Sorge hatte ich nie, ich war immer schon davon überzeugt, dass es da, wo ich gerade bin, am interessantesten ist. Aus allem, was mir begegnet, kommt mir so viel an Wirklichkeit, Schönheit und Sinn entgegen, dass ich nicht in der Lage bin, diese ganze Fülle aufzunehmen, warum sollte ich mir wünschen, woanders zu sein? Natürlich weiß ich, dass ich objektiv gesehen ständig unendlich viel verpasse, aber die gut 8 Milliarden Menschen, die heute nicht an unserer Vesper teilnehmen, verpassen auch ganz viel.

28. Juni 2024

Immer wieder die Frage: Müssten wir als Kloster nicht in den Sozialen Medien präsent sein?
Immer wieder die Antwort: Eigentlich ja, denn sonst sind wir, vor allem für junge Menschen, nicht existent.
Und immer wieder die zweite Antwort: Schon jetzt zwingt uns die Digitalisierung zu immer größerer Geschwindigkeit und hindert uns am schweigenden Hören. Wieder in die „Wüste“ zu gehen, scheint mir für ein monastisches Leben - im Grunde für jedes christliche Leben - überlebenswichtig. Nicht einmal im Jahr ein paar Tage, sondern täglich.
Man muss sich entscheiden, nicht unbedingt zwischen gut und böse sondern zwischen dem einen Notwendigen und allem anderen.