Als Kind glaubte ich an den Weihnachtsmann. Er kam an Heiligabend und brachte mir und meinen Geschwistern Geschenke. Als ich von einem anderen Kind hörte, den Weihnachtsmann gebe es gar nicht, wollte ich das nicht glauben, ich hatte ihn doch gesehen. Aber als ich meine Mutter fragte, gab sie zu, dass der Weihnachtsmann nur ein verkleideter Student war, und ich fühlte mich betrogen. Maria, Josef und das Jesuskind in der Krippe kannte ich auch, aber nicht als Überbringer von Geschenken, sondern nur als schönes Bild. In einem Kinderbuch hörte ich vom Christkind und Nikolaus. Unter dem Christkind stellte ich mir ein Mädchen mit langen blonden Haaren und Flügeln vor, eine Art Engel, den ich nicht mit dem Kind in der Krippe identifizierte, denn da ich drei jüngere Geschwistern hatte, war ich mir sicher, dass Babies von sich aus gar nichts tun, schon gar nicht herumlaufen und Geschenke austeilen. Und der Nikolaus war offenbar nur ein anderer Name für den Weihnachtsmann. Gut, dass es in meiner Kindheit wenigstens noch keine Rentiere gab, die ich unterbringen mußte!
Noch viel weniger als die verschiedenen Gestalten, die mir an Weihnachten begegneten, begriff ich, dass das Kind in der Krippe und der Mann am Kreuz dieselbe Person waren, Weihnachten und Ostern  waren verschiedene Erzählungen, die ich lange nicht verband, niemand half mir als Kind, die Elemente des Glaubens, mit denen ich konfrontiert war, zusammenzubringen.
Vielleicht ist meine Jugend in einem halbsäkularisierten Hamburger Milieu nicht typisch, aber ich fürchte auch heute können viele Menschen in Deutschland nicht viel dazu sagen, was wir an Weihnachten feiern. Dabei ist die Botschaft umwerfend: Der unendliche Gott wird Mensch und schenkt uns Anteil an seinem göttlichen Leben.

Je weiter die Ufer voneinander entfernt
desto größer die Spannung der Brücke.
Was ist weiter von einander entfernt als Gott und Mensch?
Wie groß ist die Spannung der Brücke, die Jesus ist!     (Bardo Weiß)