Nach den Kar- und Osterfeierlichkeiten bin ich erschöpft und ich glaube, die meisten meiner Mitschwestern auch. Wir waren so viele Stunden in der Kirche, haben so lange gesungen und gebetet, dass es jetzt erstmal genug ist. Auch Freude kostet Kraft, das darf man sich ruhig eingestehen. Insofern bin ich dankbar, dass die Osterwoche bei uns eher erholsam ist.
Doch gerade in diesem Jahr habe ich in der Liturgie immer wieder gedacht, was ich auch schon im vorigen Beitrag schrieb: Ich muss mich noch viel radikaler entscheiden. Entweder ich höre all die biblischen Texte, in die ich in diesen Tagen ganz besonders eintauche, die Lesungen, aber auch die Psalmen, als Wort des lebendigen Gottes und riskiere damit, dass sich meine Wahrnehmung von Realität verändert: Gott ist die eigentliche Wirklichkeit, alles andere ist nur dann wirklich und lebendig, wenn es mit ihm zusammenstimmt, sonst ist es Schein und Nichtigkeit. Oder ich nehme die Welt, wie sie mir in der Gesellschaft, in den Medien und oft auch in der Kirche begegnet als die eigentlich Realität, dann wird Gottes Gegenwart zunehmend Schein und Nichtigkeit und die Auferstehung Jesu Christi ist nicht mehr als eine vage mythologische Erzählung, die niemandem wirklich hilft.
Ich erinnere mich an meine Schulzeit, bei der es im Religionsunterricht eine  Unterrichtseinheit „Tod und Auferstehung Jesu“ gab. Wir lernten etwas über Bultmann und hörten, dass es keine Rolle spielt, ob das Grab Jesu leer war. Das war in den 70er Jahren keine revolutionäre These, sondern Mainstream. Meine Freundinnen und ich fanden das als Jugendliche verwirrend. Wir hätten die Glaubensaussage der Bibel im Religionsunterricht akzeptiert, wenn auch nicht unbedingt geglaubt; wir hätten es auch hingenommen, wenn unser Lehrer uns verkündet hätte, das alles seien Märchen. Aber er ließ sich weder auf das eine noch auf das andere festnageln. Deshalb ließen wir uns von einem anderen Religionslehrer sagen, wo die Worte standen, die eine von uns vage im Kopf hatte: „Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein, alles andere ist vom Bösen“ (Mt 5,37) und schrieben sie auf ein Blatt, das wir dem Lehrer hinlegten. Ich glaube, es war damals schon etwas betroffen. Heute dagegen regiert das damalige Wischiwaschi unangefochten und nennt sich vornehm Postmoderne.