Kontemplation
„Das Wesen der Kontemplation im strengen Sinn ist es, sich selber in die Objektivität des geoffenbarten Gotteswortes zu verlieren, alle auswählenden und a priori formenden Auffassungskategorien preiszugeben, um sich von der ganzen Größe und Bedeutungsbreite des Wortes treffen zu lassen. In der eigentlichen Kontemplation muss das Wort Gottes so erklingen, wie es ist, und nicht so, wie ich es gerne hören, oder wie ich mir vorstelle, dass es für mich ist. Strenge Kontemplation ist Schule der Entpersönlichung, der Ausweitung sowohl in Gott wie in die Kirche, in die Schrift wie in die Tradition hinein. Erst die solchermaßen ins Objektive geweitete Seele wird dann aus dem Betrachteten „eine Frucht ziehen“, eine Anwendung auf sich machen, die aber mehr in der Angleichung des Ich an das Wort, als des Wortes an das Ich liegen wird“ (v. Balthasar, Therese von Lisieux 79).