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Blog von Schwester Christiana

26. Mai 2024

Menschen erwarten von mir als Nonne, dass ich weiß, wer Gott ist. Aber je älter ich werde, umso größer, geheimnisvoller, und in gewisser Weise fremder wird mir Gott. Der „liebe Gott“ verschwindet immer mehr… Manchmal fragt man mich, zu wem ich bete, und erwartet, dass ich sage: „zum Vater“ oder „zu Jesus“ oder „zu Gottes Geist“. Tatsächlich aber bete ich zum dreifaltigen Gott, der für mich unvorstellbar ist, denn ich bete ja nicht zu einer Gruppe von Göttern, sondern zu ihm, dem einen Gott, der so lebendig ist, dass er in sich Liebe und Beziehung ist. Das sprengt meine Vorstellungskraft und so ist gerade die Dreifaltigkeit Gottes der Punkt, wo die biblische Weisung, sich kein Bild von Gott zu machen, konkret wird. Gott ist dreifaltig, heißt: Gott ist vollkommen, er braucht nichts von außen, denn das Wichtigste, was es gibt, die Liebe, hat er in sich. Dieses Mysterium bete ich an, wenn ich zu Gott bete, und zugleich danke ich - auch das, ohne es wirklich zu verstehen -, dass er, der uns nicht braucht, uns dennoch liebt.

24. Mai 2024

In dem berühmten Buch „Die Hütte“ von William Paul Young sagt Gott immer wieder über einzelne Menschen: „Ich mag ihn besonders gern.“ Als er irgendwann gefragt wird, ob es eigentlich auch Menschen gibt, die er nicht „besonders“ gern hat, antwortet er, nein, nicht dass er wüsste, er hätte alle besonders gern. 
Für mich liegt der Akzent auf „besonders“; Gott hat jeden in seiner Besonderheit gern und er liebt jeden anders. Auch ich möchte lernen, jeden, der mir begegnet, „besonders“ gern zu haben.

19. Mai 2024

„Der Heilige Geist verwandelt ein vergangenes Ereignis in eines, das heute stattfindet“ (P.Berger).

19. Mai 2024

Heute in der Predigt: Der Heilige Geist wird in der Messe zweimal angerufen und um Wandlung gebeten: Er soll Brot und Wein in Leib und Blut Christi verwandeln, was für ihn sicher keine Schwierigkeit ist. Das zweite dagegen ist selbst für den Heiligen Geist „ein harter Brocken“: Er soll uns zu einer lebendigen Opfergabe machen, d.h. in den Leib Christi verwandeln. Wir können nur beten, dass er dabei erfolgreich ist... 

17. Mai 2024

Joh 21,18 mag in den Ohren mancher Menschen bedrohlich klingen, für mich ist es ein Verheißungstext. Irgendwann werde ich so weit sein, dass ich Ja sage zu Gottes Führung und dann wird er mich an einen Ort bringen, an den zu kommen ich mir von mir aus niemals gewünscht hätte, an einen Ort, der zu großartig ist, als dass ich ihn mir als Ziel setzen konnte.

16. Mai 2024

Heute haben wir eine Mitschwester beerdigt. Sehr deutlich empfinde ich jedesmal beim Tod einer Mitschwester, dass wir füreinander ein Geheimnis bleiben. Ich habe 44 Jahre mit dieser Schwester zusammengelebt, aber kenne ich sie? Sie hat mir manches von sich erzählt, aber ganz vieles, sowohl von den Wunden ihrer Vergangenheit als auch von der Freude ihres Glaubens nimmt sie mit sich ins Grab. Es gibt in jedem Menschen einen Bereich, zu dem nur Gott Zugang hat.