Blog von Schwester Christiana
In der ersten Lesung am gestrigen Hochfest der Verkündigung des Herrn wird König Ahab aufgefordert, von Gott ein Zeichen zu erbitten. Er gibt die scheinbar fromme Antwort: „Ich werde um nichts bitten und den Herrn nicht versuchen“ (Jes 7,11), worauf Gott mit einem eigenen Zeichen „die Jungfrau wird empfangen“ antwortet.
In Ahab können wir uns wiederfinden: Wir denken, wenn Gott uns ein Zeichen gäbe, wenn er sich uns unwiderleglich offenbaren würde, könnten wir wirklich glauben. Aber tief im Inneren wollen wir gar kein Zeichen vom Himmel, denn dann müssten wir ernst machen, müssten aufhören mit unserem halbherzigen Christentum und Gott über alles lieben. Das wollen wir und wollen es zugleich nicht, denn es hieße auf eigene Sicherheiten verzichten.
Zu Joh 18,37
„Für die Wahrheit Zeugnis ablegen“ heißt Gott und seinen Willen den Interessen der Welt und ihren Mächten gegenüber zur Geltung zu bringen“... „Die Menschheit wird immer wieder vor dieser Alternative stehen: Ja zu dem Gott, der nur mit der Macht der Wahrheit und der Liebe wirkt, oder Setzen auf Konkretes Greifbares, auf die Gewalt“ (Papst Benedikt, Jesus von Nazareth II, 216.221).
Es gibt nichts, was Gott so entgegengesetzt, ja feindlich, ist wie der Tod, denn Gott ist das Leben. Und er ist die unbedingte Liebe, die anzuzweifeln ein Sakrileg ist. Von daher ist es verständlich, dass Jesu beim Tod des Lazarus nicht nur traurig ist, sondern wütend ist, er „ergrimmte im Geist“ oder noch plastischer „er schnaubte im Geist“. Einerseits angesichts des Todes, den „Gott nicht gemacht hat“ (Weish 1,13) und andererseits angesichts der Zweifel an seiner liebenden Gegenwart: „Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben“ (Joh 11,31) und: „Wenn er dem Blinden die Augen geöffnet hat, hätte er dann nicht auch verhindern können, dass dieser hier starb?“ (Joh 11,37). Dahinter steht die Frage: Wenn es Gott wirklich gibt und er uns liebt, könnte er dann nicht verhindern, dass....?“ Doch der Tod kam nicht durch Gott in die Welt, sondern durch den Menschen. Gott greift nicht unsere Freiheit übergehend von oben her ein, sondern er geht mit uns und bietet uns eine Nachfolge an, die durch den Tod hindurch zum Leben führt. Alles Leid der Welt ist kein Beweis, dass Gott nicht da ist oder dass er uns nicht liebt, wohl aber erschreckendes Zeichen unserer Uneinsichtigkeit, unseres Nicht-Wollens.
Ein Text, der zwar schon älter ist, aber immer noch wichtig: Man darf sich als Christ nicht klein machen, das ist keine Demut, sondern Verleugnung des Geschenkes, das der Glaube ist.
„Jeder Mensch ist dazu bestimmt, zu leuchten! Unsere tiefgreifendste Angst ist nicht, dass wir ungenügend sind, unsere tiefgreifendste Angst ist, über das Messbare hinaus kraftvoll zu sein.
Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, die uns am meisten Angst macht. Wir fragen uns, wer ich bin, mich brillant, großartig, talentiert, phantastisch zu nennen? Aber wer bist du, dich nicht so zu nennen? Du bist ein Kind Gottes.
Dich selbst klein zu halten, dient nicht der Welt. Es ist nichts Erleuchtetes daran, sich so klein zu machen, dass andere um dich herum sich nicht unsicher fühlen. Wir sind alle bestimmt, zu leuchten, wie es die Kinder tun.
Wir sind geboren worden, um den Glanz Gottes, der in uns ist, zu manifestieren. Er ist nicht nur in einigen von uns, er ist in jedem einzelnen. Und wenn wir unser Licht erscheinen lassen, geben wir anderen Menschen die Erlaubnis, dasselbe zu tun. Wenn wir von unserer eigenen Angst befreit sind, befreit unsere Gegenwart automatisch andere“ (Nelson Mandela, Auszug aus seiner Antrittsrede 1994).
Wenn man fragt, warum Jesus umgebracht wurde, erhält man verschiedene Antworten: Er galt als Aufrührer, er bedrohte den Tempel, man warf ihm Gotteslästerung vor. Das alles stimmt, aber untergründig hat vielleicht Pilatus den Kern der Sache am besten erfasst: „Er wusste nämlich, dass man Jesus nur aus Neid an ihn ausgeliefert hatte“ (Mt 27,18).
Neid ist eine Triebfeder vieler menschlicher Handlungen, etwas, was wir ungern zugeben und immer irgendwie kaschieren. Worauf waren die Hohepriester und die Schriftgelehrten neidisch, auf den Zulauf, den Jesus hatte? Das glaube ich nicht, zumal sich zu dieser Zeit schon viele von ihm abgewandt hatten. Aber sie spürten, dass Jesus eine völlige andere Beziehung als sie zu Gott hatte, viel tiefer, viel inniger, viel wahrer, und das konnten sie nicht verstehen und nicht ertragen.
In den Nachrichten gibt es in letzte Zeit geradezu eine Inflation des Wortes „warnen“; ständig warnt irgendwer vor irgendwas. Was mir dabei fehlt, ist der Adressat. Ich kann unsere Gäste vor herabfallenden Ästen in unserem Wald warnen oder meine Mitschwestern vor dem E-Bike-Fahren ohne Helm, dann warne ich jemanden vor etwas. Aber wenn es heißt, dass die Bundesregierung vor chaotischen Zuständen im Iran warnt, dann frage ich mich, wen warnt sie? Im Grunde soll nur gesagt sein, dass die Bundesregierung chaotische Zustände im Iran kommen sieht und das problematisch findet. Aber ist da das Wort „warnen“ richtig?
