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Blog von Schwester Christiana

15. Februar 2026

Ich habe in der vergangenen Woche nichts geschrieben, weil wir unsere Jahresexerzitien hatten und in dieser Zeit gilt es zu hören, nicht selbst zu reden. Jetzt gehen wir auf die heiligen vierzig Tage der Vorbereitung auf Ostern zu, die nochmal ein andere Form der Jahresexerzitien sind. Dabei stehen für mich weder Fasten („Fastenzeit“) noch Buße („österliche Bußzeit“) im Vordergrund, sondern das Hören auf den Herrn und die Feier der Eucharistie. Tun wir das nicht sowieso jeden Tag? Ja und nein. Wirklich auf Gottes Wort zu hören und zu realisieren, was in der Eucharistie geschieht, ist so anspruchsvoll, dass es ein ganzes Leben lang neue Anläufe braucht, „bis Christus in uns Gestalt annimmt“ (Gal 4,19) und wir sagen können: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,20).

07. Februar 2026

Das offizielle Gebet der Kirche ist das Stundengebet, das fast vollständig aus biblischen Texten besteht, vor allem aus den Psalmen. Doch dieses Gebet ist für viele Menschen - selbst viele Priester - selbst viele Ordensleute - unverständlich geworden, sie sehen darin keine Nahrung für ihre Seele und versuchen in anderen Gebets- und Meditationsformen einen Zugang zum Glauben zu finden. Ich muss das akzeptieren, fürchte aber, dass in unserer Kirche immer mehr der Glaube an den Gott, dessen Selbstoffenbarung wir in den Büchern des Alten und des Neuen Testamentes finden, verlorengeht und an seine Stelle selbstgemachte Götter oder zumindest selbstausgedachte Gottesvorstellungen treten.

05. Februar 2026

Futur II

Wenn wir
gestorben sein werden,
werden wir
gerettet worden sein.
                  (Aus: H.Körlings, Auf Abwegen. Theopoetische Texte 2025).

03. Februar 2026

Wir alle reagieren empfindlich, wenn andere sich ungefragt in unser Leben einmischen, dieselbe Einmischung ertragen wir aber auf digitaler Ebene klaglos. Was bildet sich mein Telefon eigentlich ein, dass es von mir wissen will, ob es eine Nummer, von der ich zum ersten Mal angerufen wurde, blockieren oder in mein Adressverzeichnis aufnehmen soll? Wer hat meinen E-Book-Reader beauftragt, meine Lesegeschwindigkeit zu messen und mir kontinuierlich mitzuteilen, wie lange ich noch für das Kapitel und das Buch brauche? Nur zwei klitzekleine Beispiele, aber ähnliche Übergriffe würde ich mir von meinen Mitschwestern verbitten. Immer häufiger sage ich auch in der Digitalen Welt nur noch „nein“ und meine „halt den Mund“. Leider hört das niemand.

31. Januar 2026

In unserer Gemeinschaft lesen wir in einer Lectio continua die ganze Heilige Schrift. Sehr verstörend finde ich die Geschichte, die in 1Kön 13 erzählt wird. Ein Mensch („ein Gottesmann“) bekommt von Gott einen Auftrag und erfüllt ihn auch gegen Widerstände und Versuchungen. Dann kommt ein Prophet und teilt ihm einen neuen Auftrag Gottes mit, der dem ersten widerspricht. Als der Mensch diesem zweiten Auftrag gehorcht, wird er mit dem Tod bestraft, weil er dem Gebot Gottes nicht gehorcht hat.
Warum war es falsch, dem zweiten Auftrag zu gehorchen? Kann Gott nicht neue, andere Aufträge geben? Ist denn die Haltung derer richtig, die starr an  etwas festhalten, selbst wenn sich die Situation geändert hat? 
Beim Nachdenken über diesen Text und damit über Gottes Auftrag, sei es an die Kirche insgesamt, sei es in meinem persönlichen Leben scheint mir eines wichtig: Gottes Wort ist immer neu, oft auch anders und fremd, aber er befiehlt niemals das Gegenteil von dem, was er früher wollte. Es kann sein, dass ich früher etwas Falsches für seinen Willen gehalten habe, dann muss ich umkehren, aber dieser Fall ist in 1Kön 13 gerade nicht vorausgesetzt. Wenn ich wirklich seinen Willen erkannt habe, sei es auch nur anfanghaft, dann wird mich alles, was er später sagt, weiterführen, niemals aber wird Gott mir etwas auftragen und dann das Gegenteil von mir verlangen. Das hätte der Gottesmann in 1Kön 13 wissen müssen. Darin liegt seine Schuld.

28. Januar 2026

Sehr lohnend fand ich beim Wiederlesen das bereits vor 50 Jahren erschienene Buch von Martin Hengel, „Der Sohn Gottes“ (1977), in dem Hengel nachdenkt über das Wunder von 30-50 n. Chr.: Jesus stirbt am Kreuz den Tod eines jüdischen Staatsverbrechers. Derselbe Jesus wird bereits im Philipperhymnus (Phil 2,6-11) als präexistente göttliche Gestalt verehrt und Paulus muss erkennen: Ein Mensch, dessen Bruder Jakobus ich gekannt habe (vgl. Gal 1,19; 2,9), „ist nicht nur der durch Gott von den Toten auferweckte Messias, sondern sehr viel mehr. Er ist identisch mit einem göttlichen Wesen, vor aller Zeit, Mittler zwischen Gott und seinen Geschöpfen, d.h. zugleich Mittler der Heilsoffenbarung Gottes, der z.B. Israel als wasserspendender Fels durch die Wüste begleitete“ (1Kor 10,4).
Der Ungläubige würde sagen: „Haben sich die Jünger alles ausgedacht“ oder etwas freundlicher: „Fromme Halluzinationen“. Aber Paulus wollte nicht glauben, das, was wir den christlichen Glauben nennen, lag ihm völlig fern, war für ihn geradezu Blasphemie. Doch ihm ist etwas begegnet, was ihn zwang... Nicht etwas, jemand, Jesus selbst als der Auferstandene.