Blog von Äbtissin Christiana Reemts

Die Großpfarreien, die gebildet werden, um das Kirchenrecht zu erfüllen, die aber den Bedürfnissen der Menschen nach Zugehörigkeit nicht entsprechen, lösen überall Widerstand aus. Ich kann diesen Widerstand gut verstehen, ich muss ihn nur auf meine eigene Situation übertragen: Sicher wäre es sinnvoll, wenn alle Benediktinerklöster fusionieren und drei Frauen- und drei Männergemeinschaften bilden würden, aber das will niemand, auch die ganz kleinen Gemeinschaft wollen es nicht, zu sehr hat jedes Kloster seine eigene Prägung, seine Umwelt, seine Einbettung in eine bestimmte Region.
Aber das ist nur die eine Seite. Das Beharren auf dem Prinzip der Ortsgemeinde führt außerhalb von Klöstern vielfach dazu, dass man die Messe nur noch selten besucht, das normale ist ein Wortgottesdienst. Höre ich die Leute reden, dann hat der Wortgottesdienst viele Vorteile, spöttisch möchte ich sagen: „Quadratisch - praktisch - gut“. Wortgottesdienste sind kürzer und verständlicher als eine Messe, aber sie sind eine Erfindung der letzten Jahrzehnten, die Katholiken früherer Zeit hätten darüber nur den Kopf geschüttelt. Natürlich gab es immer Wortgottesdienste, z.B. eine Laudes oder eine Vesper, aber noch in den 90er Jahren verbot Bischof Mussinghoff ausdrücklich die Kommunionausteilung in Wortgottesdiensten.
Unsere Zeit neigt auf vielen Ebenen dazu, Zusammengehöriges auseinander zu reißen, so meiner Meinung auch hier. Denn die Kommunion ist der letzte Akt, sozusagen die Besiegelung der Mitfeier der Messe, kein zu produzierender und zu verteilender „Gegenstand“. Die Messe ist das große Mysterium, das uns mit Christus verbindet, uns verwandelt und in seinen Leib einfügt. Nur mit ihr erfüllen wir seinen Auftrag: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“
Wer noch mehr dazu lesen möchte, vgl. meinen Aufsatz: Eucharistische Gaben
Gott liebt Christus.
Christus liebt uns.
Diese Liebe eröffnet einen Raum der Freude.
Man lebt in diesem Raum der Freude, wenn man tut, was Gott will.
Eigentlich ganz einfach...
 
Es ist die Zeit der Erstkommunion und oft höre ich von Freunden und Bekannten, die Kinder oder Enkel haben, wie dieses Fest 2022 gefeiert wird. Manches macht mich traurig: Kann der Besuch eines Ponyhofes innerhalb der Vorbereitung wirklich das Verständnis der Eucharistie wecken? Warum steht niemand auf, weder Bischof noch Pfarrer noch Eltern, wenn die Erstkommunion von der Gemeindereferentin im Rahmen eines Wortgottesdienstes mit Kommunionausteilung stattfindet, wobei als Lesung eine nette, kindgerechte Geschichte genommen wird. Glaubt die „zelebrierende“ Gemeindereferentin wirklich daran, dass die Bibel das Wort Gottes ist und die Messe das größte Geschenk Christi an uns?
Doch es gibt aus Gegenbeispiele, so fiel mir eine in der Petrusbruderschaft gehaltene Erstkommunionpredigt in die Hand, die mich sehr berührte, weil sie mich an die Art und Weise, wie ich selbst vor fast 60 Jahren auf die Erstkommunion vorbereitet wurde, erinnerte. Der Unterricht vermittelte mir, so klein ich war, ein Gefühl für die Heiligkeit der Eucharistie und für das Furchtbare, wenn man sie verunehrt. Natürlich erfüllte mich das auch mit Schrecken, aber vor allem mit Ehrfurcht und - ich hätte es damals nicht ausdrücken können - mit einem anfanghaften Wissen um die Würde des Christseins. Als ich mich nach der Pubertät von der Kirche entfernte und mich mit zwanzig sogar als Atheistin bezeichnete, ging ich nie mehr zur Kommunion, ich hätte es als Sakrileg empfunden, ohne Glauben zu kommunizieren, was natürlich inkonsequent war, wenn man gar nicht mehr an Gott glaubt. Als Freunde von mir heirateten, gab es im Vorfeld die Devise: „Natürlich gehen wir zum Zeichen der Verbundenheit untereinander und mit dem Brautpaar alle zur Kommunion“, aber ich ging trotzdem nicht mit, ich konnte es einfach nicht. Meine aufgeklärten, zwischen einem gewissen Linkskatholizismus und völliger Kirchenferne schwankenden Bekannten hielten das für Überbleibsel einer verfehlten christlichen Erziehung. Ob verfehlt möchte ich an dieser Stelle dahingestellt sein lassen, aber tatsächlich war dieses Verhalten Folge einer tiefen Prägung.
Wenn ich mich selbst frage, ob der Glaube und seine Forderungen mir als Kind Angst eingejagt haben, dann muss ich das bejahen. Aber es war nicht die Angst vor einem Despoten, sondern ein kindliches, aber klares Wissen, dass Gott unendlich groß und erhaben ist und das Recht hat, Forderungen an mich zu stellen. Das kann ich auch jetzt nicht falsch finden und ich frage mich, ob man Kindern nicht etwas vorenthält, wenn man sie nicht wirklich in diesen Glauben einführt. In der folgenden Predigt von Pater Gregor Pal, FSSP scheint mir das in kindgerechter Weise gelungen.
„Kann es sein, das Christus für jeden Christen einmal aufhören muss, sichtbar, begreifbar, vertraut zu sein - dass er für jeden von uns restlos „in der Wolke“ verschwinden muss, damit der Tröster kommen kann? (I. F. Görres, Zwischen den Zeiten 249).
 

Die Kirchengeschichte ist eine Geschichte von Sex and Crime. Aber das ist nicht alles, daneben gibt es auch das Wunder. Es besteht darin, dass der Glaube immer derselbe ist. Wenn ich das Johannesevangelium lese, die Ignatiusbriefe, Augustinus oder Thomas erkenne ich: Sie glaubten dasselbe, was die Kirche heute lehrt.
Und beim Lesen heutiger Bücher? Da möchte ich die Verfasser manchmal fragen, ob sie bereit sind, mit mir zusammen das Glaubensbekenntnis zu sprechen.