Blog von Äbtissin Christiana Reemts

Es gab Stimmen, die die Predigt von Papst Franziskus bei der Beerdigung seines Vorgängers zu blaß fanden und sich gewünscht hätten, er wäre mehr auf die Verdienste Benedikts eingegangen. Ich sehe das nicht so, denn die Kirche ist keine Firma, die ihren verstorbenen Seniorchef in einem Nachruf anerkennende Worte widmet, sondern Leib Christi, in dem aller Lobpreis dem Herrn gebührt. Ich bin überzeugt, Benedikt hat sich gefreut, dass es keine Laudatio gab, sondern eine Meditation über die Worte Christi am Kreuz: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist“.
Papst Franziskus sagte: „Wir möchten in seine Fußstapfen treten und unseren Bruder den Händen des Vaters anvertrauen: Mögen diese Hände der Barmherzigkeit seine mit dem Öl des Evangeliums brennende Lampe vorfinden, das er während seines Lebens verbreitet und bezeugt hat (vgl. Mt 25,6-7)... Wie im Evangelium die Frauen am Grab, so sind wir hier mit dem Wohlgeruch der Dankbarkeit und der Salbung der Hoffnung, um ihm noch einmal die Liebe zu erweisen, die nicht vergeht; wir wollen dies mit derselben Salbung und Weisheit, mit demselben Feingefühl und derselben Hingabe tun, die er uns im Laufe der Jahre zu schenken wusste. Wir wollen gemeinsam sagen: 'Vater, in deine Hände übergeben wir seinen Geist.' Benedikt, du treuer Freund des Bräutigams, möge deine Freude vollkommen sein, wenn du seine Stimme endgültig und für immer hörst!“
 
Die Möglichkeiten der Digitalisierung verführen dazu, immer mehr in immer kürzerer Zeit tun zu wollen. Es ist schwer, dem Widerstand zu leisten und kontemplativ zu leben. Oder wie der heilige Benedikt sagt, Christus nichts vorzuziehen. Als Äbtissin kämpfe ich bei mir selbst, aber auch bei meinen Mitschwestern gegen die Flut der möglichen Projekte. Manchmal komme ich mir geradezu skurril vor, wenn ich nicht mahne, mehr und konzentrierter zu arbeiten, sondern die Arbeit loszulassen und einfach da zu sein.
 
Taufe
Geistlich gesehen ist ein König ein Mensch, der sich selbst zu regieren vermag oder anders gesagt, ein Mensch, in dem die Sünde nicht mehr herrscht (vgl. Röm 6,12). Mit dieser königlichen Würde werden wir in der Taufe beschenkt. Dabei schmälert die Tatsache, dass Christus der eigentliche König der Welt ist, unsere „Macht“ in keiner Weise, sondern vergrößert sie, denn die Rückbindung an Gott bedeutet Zugang zu Weisheit und Erkenntnis. Wir sind durch Christus in der Lage , uns nicht mehr von dem, was „man“ tut, bestimmen zu lassen. Wir sind zur Freiheit berufen.
 
Hochfest der Erscheinung des Herrn
Immer wieder leuchtet auch in meinem Leben ein Stern auf und zeigt mir den Weg zu Christus. Aber wir folgen nicht nur dem Stern, sondern wir sollen auch selbst Sterne sein - wie schwer ist das oft gerade heute! Papst Leo der Große schreibt: „Wir sollen die Aufgabe des Sterns in gleicher Weise erfüllen, indem wir der Gnade dienen, die alle zu Christus einlädt. Jeder Christ, der treu und lauter lebt, und nach dem strebt, was im Himmel ist und nicht auf der Erde, der ist wie ein himmlisches Licht. Denn wenn er mit seinem Leben Glanz ausstrahlt, dann zeigt er wie ein Stern vielen anderen den Weg zum Herrn. Darum müsst ihr euch bemühen und darin euch gegenseitig unterstützen.“
Papst Benedikt war für mich ein sehr wichtiger Mensch, im vollsten Sinne des Wortes ein Kirchenvater, d.h. einer auf dessen theologisches Urteil ich vertrauen konnte. Gleichzeitig war er ein Prophet, ein Mensch, der deutlicher als andere die Zeichen der Zeit erkannte und sie aus dem Glauben heraus deutete. Insofern war er fortschrittlicher als all die, die in der deutschen Kirche Veränderungsprozesse in Gang setzen, die doch nur das Ziel haben, die Reste des Status quo zu bewahren.
Zuwider sind mir viele Nachrufe auf Papst Benedikt, vor allem wenn sie von Journalisten oder Bischöfen kommen, die alles getan haben und noch tun um sein Lebenswerk zu ignorieren oder sogar zu zerstören. Er braucht jetzt weder heuchlerische Lobhudelei noch Beurteilungen von oben herab (man fragt sich, ob die Schreiber bereits am Ende der Welt bei Gottes Thron angekommen sind, dass sie so sicher wissen, was standhält und was nicht...), sondern unser Gebet. Wobei auch das nicht sicher ist, vermutlich brauchen wir noch viel mehr sein Gebet.