Blog von Äbtissin Christiana Reemts

Fest Kreuzerhöhung
Viele Texte sind an diesem Tag dieselben wie am Karfreitag, trotzdem hat der 14. September einen etwas anderen Charakter. Wir gehen nicht wie in der Karwoche den Leidensweg Christi mit, sondern freuen uns über das, was er für uns getan hat. Das Kreuz ist ja ein Zeichen, das zwei Seiten hat: Es ist ein Galgen und erinnert uns immer wieder an das Leiden des Herrn und auch an all das Leid der Welt, das im Kreuz ebenfalls vor Gott „hängt“. Und es ist ein Zeichen des Sieges und der Freude, denn Christus hat am Kreuz alles Leid der Welt und sogar den Tod verwandelt und zu einem Weg zum Vater gemacht. „Unbegreiflich ist das Tun der Liebe! Der Tod ist gestorben, als das Leben am Kreuz starb.“
Im Hymnus an Kreuzerhöhung singen wir: „O Kreuz, dem wir allein vertraun, sei uns gegrüßt in dieser Zeit!“ Es gibt eine alte Tradition, beim Betreten eines Raumes, in dem ein Kreuz hängt, dieses durch eine kleine Kopfverneigung zu grüßen. Vielleicht sollten wir uns solche Zeichen neu angewöhnen und mit ihnen in unserer säkularisierten Welt, die uns alle immer mehr zu verschlingen droht, ein Gegengewicht setzen, indem wir das Kreuz grüßen - mit einem „Herr, ich danke dir“ oder einem ähnlichen Wort der Liebe und Verehrung.
 
Es gibt eine schöne, völlig fiktive Erzählung, die beschreibt, wie Queen Elisabeth die Liebe zu Büchern entdeckt. Ein sehr liebevolles Buch über die Königin und zugleich ein Hymnus auf die Freuden des Lesens: Alan Bennett, Die souveräne Leserin.
 
Unsere Hybris, alles machen zu wollen und zu meinen, wir könnten auf Gott verzichten, zeigt sich auch in den Publikationen zum Klimawandel. "Menschengemachter Klimawandel" - natürlich ist da etwas dran, aber zugleich: Welche Hybris! Ein einziger großer Vulkanausbruch, z.B. im Laacher See würde alle Berechnungen durcheinander werfen. Aber auch die Hoffnung, wir Menschen das Ruder herumreißen, um uns aus unserem Schlamassel befreien, scheint mir von falschen Voraussetzungen auszugehen. Ich benutze die Suchmaschine Ecosia und werde sie auch weiterhin benutzen. Doch die Aussage "Wir retten den Planeten", die man dort finden kann, ist albern. Nicht Ecosia wird den Planeten retten, sondern Christus hat ihn gerettet und wird ihn retten. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir die Hände in den Schoß legen dürfen. Der Ruf umzukehren gilt auf allen Gebieten.
 
Gestern habe ich hin und wieder in die Beratungen in Frankfurt hineingehört und war entsetzt von der Feindseligkeit vieler Beiträge. Herr, wohin führst Du Deine Kirche?
Heute morgen in der Messe der auch nicht gerade erhebende, aber doch alles etwas relativierende Gedanke: Spielt es überhaupt eine Rolle, wie die Abstimmungsergebnisse sind? Natürlich spielt es eine Rolle, denn wie abgestimmt wird, offenbart, wie die Mehrheit denkt. Aber in anderer Hinsicht ist es völlig egal, denn der Synodale Weg hat keine Macht, irgendetwas anzuordnen oder zu verbieten. Das bedeutet: Auch wenn alle Texte an der Sperrminorität scheitern würden, würde die Mehrzahl (auch der Bischöfe) weitermachen wie bisher und versuchen ihr Veränderungsprogramm durchzusetzen. Und auf der anderen Seite: Auch wenn ein Text mit Zweidrittelmehrheit der Bischöfe angenommen wird, kann ein Bischof, dessen Gewissen es ihm verbietet, Ja zu sagen, die Beschlüsse nicht umsetzen. Egal, was also in diesen Tagen geredet wird: Es wird in Passau, Eichstädt oder Regensburg wohl auch in Zukunft keine Regenbogenfahnen geben, in unserem Bistum dagegen schon...
Ich glaube, nur Christus kann uns neu und auf Wegen, die wir im Moment nicht erahnen, in die Einheit führen. Bitten wir ihn darum!
Vorgestern erhielt ich ein "Interview", das ich in der aktuellen Situation unserer Kirche sehr hilfreich fand. Die Gesprächspartner sind Frau Prof. M. Schlosser, die in Wien einen Lehrstuhl für Theologie der Spiritualität hat und Katharina von Siena (1347-1380), eine der großen Kirchenlehrerinnen.