Blog von Äbtissin Christiana Reemts

Wir haben einige Ferientage, an denen ich vermutlich nichts schreiben werde. Stattdessen zitiere ich in der nächsten Woche einige Texte von Ida F. Görres. Ich las vor einiger Zeit ihr Buch „Im Winter wächst das Brot“ und staunte wieder einmal über die Sprachkraft dieser Frau und über ihre prophetische Gabe.
„Die Kirche ist der Mond, dessen Glanz durch unsere Sünden getrübt wird und schwindet bis zu scheinbar totaler Finsternis. Doch in der dunkelsten Stunde berührt sie Christus, die Sonne, aufs neue und füllt sie wieder mit steigendem Licht“ (I.F.Görres).
 
Auf Todesanzeigen lese ich den Wunsch "ruhe sanft" oder "wir wünschen dir, dass du endlich ausruhen darfst" oder es ist die Rede von „ewiger Ruhe“. All das erweckt die Vorstellung von Schlaf, Stillstand und fehlendem Leben. Wen könnte das reizen? Doch ewiges Leben wird unvorstellbar lebendig sein, so lebendig, dass alles, was wir jetzt kennen, uns dagegen wie tot vorkommen wird.
 
Letzte Woche las ich von Navid Kermani „Jeder soll von da, wo er ist, einen Schritt näher kommen“. Ein sehr schönes Buch, in dem man viel lernt - über den Islam, über das Christentum, über Religion überhaupt. Vor allem aber lernt man, seine eigenen Vorurteile abzulegen, einfach zuzuhören und über die Weite und Großzügigkeit eines anderen Menschen dankbar zu staunen.
 
Das lebenslange Lesen in der Heiligen Schrift, das, was wir Benediktiner „Lectio divina“ nennen, hat einen einzigen Zweck: Zu lernen, die Stimme Christi von anderen Stimmen zu unterscheiden und ihr allein zu folgen (vgl. Joh 10,1-10).
 
Ein großer Schritt in Richtung Freiheit wäre es, die eigenen Gefühle – und auch die eigenen Gedanken – von denen der anderen zu lösen: Liebst du mich, dann liebe ich dich auch, bist du unfreundlich, bin ich es auch. Hören, wirklich hören, was ein anderer sagt, ist ein großer Wert. Auf das Gehörte zu antworten ebenfalls. Aber diese Antwort muss mehr sein als eine Wiederholung dessen, was mir entgegen kam. Jesus macht es uns vor, er antwortet auf Hass mit Liebe.