Blog von Äbtissin Christiana Reemts

„Dich aber, Gott und Herr, bitten wir, dich unseren König Christus: Breite immerdar deine gewaltigen Hände aus über deine heilige Kirche und über dein heiliges Volk, schützend, verteidigend, bewahrend. Erhebe dich auch jetzt über uns als unser Siegeszeichen und gewähre uns, mit Moses zusammen das Siegeslied anstimmen zu dürfen. Denn dein ist die Herrlichkeit und die Macht in alle Ewigkeit. Amen“ (Hippolyt, Homilie auf das Osterfest).
Nehmen wir neu wahr, wie absurd die Botschaft unseres Glaubens rein menschlich gesehen ist: Wir sagen von einem hilflos am Galgen Hängenden, dass er alle Macht der Welt hat! Und doch ist es wahr.
 
Jesus ist bei uns - ganz real, aber sakramental vermittelt in den Gestalten von Brot und Wein und in seinen bevollmächtigen Zeugen. Diese Zeugen sind dann wahre Zeugen, wenn sie nicht ihre eigenen Einsichten verkünden, so intelligent sie auch sein mögen, sondern sein Wort, ob gelegen oder  ungelegen.
Dort wo die Eucharistie gefeiert wird und wo es ein sakramentales Priestertum gibt, ist die Kirche Jesu Christi. Lebendig ist sie allerdings nur, wenn etwas Drittes hinzukommt: „Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben“ (Joh 13,34).
 
Zu viele Richter... Hunderte, Tausende...
In der Mißbrauchskrise, die unsere Kirche zur Zeit erschüttert, gibt es Opfer, die endlich gehört werden müssen, es gibt Täter, die schwer gesündigt haben, und es gibt Verantwortliche, die die Opfer ignoriert und die Täter gedeckt haben. Daran gibt es nichts, aber auch gar nichts zu beschönigen.
Und dann gibt es Richter. Hunderte, Tausende... Man begegnet ihnen auf Schritt und Tritt. Sie wissen, wer schuld ist, wo die Ursachen liegen, was man hätte anders machen sollen. Sie sind sich ihrer eigenen Makellosigkeit sicher, und da sie  auf der Seite der Guten und Gerechten stehen, ist es ihr gutes Recht, Steine zu werfen.
Jesus sagt auch heute nur: "Geht hin und sündigt nicht mehr."
 
Eine Gefahr der Karwoche liegt darin, dass man meint, ein vergangenes Geschehen „nachspielen“ zu müssen. Man erinnert sich fromm an das, was Jesus vor 2000 Jahren für uns getan hat und bedauert vielleicht, nicht selbst dabei gewesen zu sein.
Aber Jesus lebt, er will uns und unser Leben an sich ziehen, nicht in einem Mysterienspiel, das mit dem Alltag nicht zu tun hat, sondern indem er diesen Alltag ganz und gar prägt. Aber glauben wir überhaupt an seine reale Präsenz in unserer Gegenwart, in unserer Kirche, in unserem Leben?
Nur wer glaubt, dass der Zimmermannssohn, Jesus von Nazareth die Himmel durchschritten hat und sich dann für immer zur Rechten Gottes gesetzt hat, um dort für uns einzutreten, ist im Vollsinn des Wortes Christ.
 
Wir feiern in dieser Woche nicht den Tod, sondern das Leben. Wir gehen den Weg Christi mit, der ein Leidensweg ist, und singen zugleich: „Durch das Holz des Kreuzes kam die Freude über den ganzen Erdkreis.“
Was zeichnet Christen aus? Sie sind Menschen, die sich für das Leben und die Freude entschieden haben. Allerding ist es ein langer Weg, wirklich Christ zu werden.