Blog von Äbtissin Christiana Reemts

Der Begriff „Communio“ war im 2. Vatikanischen Konzil wichtig, um auszudrücken, was Kirche ist. Inzwischen wird manchmal vergessen, dass dieser Begriff ursprünglich zur Eucharistie gehört. Kirchengemeinschaft ist immer Eucharistiegemeinschaft.
 
Ein Jahr ist vergangen:
Manchmal scheint es, als drehe sich alles in einem endlosen Kreis.
Manchmal scheint es, als trete man auf der Stelle.
Manchmal scheint es, als sei das Leben tatsächlich nur ein Lauf in den Tod.

Aber das ist nicht alles:
Ich bin vielen Menschen begegnet und hatte gute Gespräche
Ich habe viel gelacht
Ich habe geträumt, nachgedacht und Neues gelernt
Gott kam mir immer wieder überraschend entgegen

Ein neues Jahr:
Nein, das Leben ist kein Kreis, sondern ein Strahl
Es geht vorwärts und hinauf, auch wenn ich es nicht immer spüre
Was auch passiert, mein Weg und unser aller Weg führt zum Leben und zum Licht.

Ich freue mich auf 2022
 
Immer und immer wieder geht es in der Bibel darum, dass Menschen das Eigene hinter sich lassen und ins Unbekannte aufbrechen: Abraham, Maria, Petrus, Paulus. Offenbar kann man nur so Gott finden.
 
Das Evangelium von heute (Joh 20,1-10) läßt mich den ganzen Tag nicht los. Da ist einerseits Petrus, der von Jesus bevollmächtigte „Fels“, andererseits Johannes, der große Theologe. Oder mit anderen Worten: Amt und Charisma. Beide laufen gemeinsam, nur dann sind sie Kirche. Die Theologie ist damals wie heute schneller als das Amt und muss warten, bis dieses nachkommt, was manchmal ärgerlich und schmerzhaft sein kann. Aber nur der, der vollgültig den Auftrag hat, kann „hineingehen“ und registrieren, was ist, während der andere sieht und glaubt.
Das Ganze wird umrahmt vom Glauben einer Frau. Alle laufen in diesem Evangelium - es geht um etwas ganz Wichtiges -, aber sie läuft allein und als Erste und bleibt, als die beiden Männer weggehen. Daher ist sie es auch,  die den Auferstandenen sieht und so zur Apostolin der Apostel wird.
Ich möchte aus diesem Text keine Lehre von den verschiedenen Aufgaben von Mann und Frau ableiten; es gibt auch Frauen, die ein Amt in der Kirche haben oder Theologinnen sind. Eher scheint mir das Gesagte auf eine dritte Berufung hinzuweisen, die den beiden anderen einerseits unter-, andererseits übergeordnet ist und die es bei Männern und bei Frauen gibt, die Berufung zur kontemplativen Schau. Sie führt zu einer Erkenntnis von innen heraus, die auf neue, ganz unamtliche Weise zur Verkündigung qualifiziert.
 
„Das Volk, das in Finsternis geht, schaut ein großes Licht“ (Jes 9,1).
Unsere Welt ist finster trotz großer Fortschritte auf allen Wissengebieten, trotz vieler Bemühungen um ein gutes Leben für alle, trotz Liebe, Zärtlichkeit und Freundschaft. Sie ist finster, weil alles vergänglich ist und wir nichts festhalten können. Sie ist finster, weil sie in jedem Augenblick im Tod versinken kann und niemand von uns weiß, wie viel Zeit ihm noch bleibt.
„Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter“ (Jes 9,5).
Die Kirche hat in diesen Worten eine Ankündigung der Geburt Jesu Christi gesehen. Er ist das Kind, das geboren ist wie jedes irdische Kind, aber zugleich als der ewige Sohn des Vaters ein Geschenk Gottes ist, gegeben aus reiner Gnade.
Dieses Kind kommt in der ganzen Wehrlosigkeit eines Kindes und ist doch zugleich der Herrscher des Weltalls. Allerdings trägt er das Zeichen seiner Herrscherwürde nicht als Szepter in der Hand oder als Krone auf dem Kopf, sondern es liegt auf seiner Schulter, denn die Herrschermacht dieses Kindes besteht nicht in Gewalt und Unterdrückung, sondern in grenzenloser Liebe, die bis in den Tod geht. Das Zeichen seiner Herrschaft ist das Kreuz. Das gehört zur Botschaft von Weihnachten, die damit alles andere als gemütlich ist.