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Blog von Schwester Christiana

17. Dezember 2023

Um den Glauben zu bewahren, genügt es nicht, „fromm“ zu sein, zu beten, zur Messe zu gehen und die Bibel zu lesen. Man muss auch dem, was dem Glauben entgegen steht und ihn zu zerstören droht, ab und zu ins Auge sehen. Der Gedanke, von dem unsere Gesellschaft mehr und mehr geprägt wird, ist nicht „es gibt keinen Gott“, sondern „es gibt keine vom Menschen unabhängige Wirklichkeit“. „Es gibt keinen Gott“ ist eine Aussage über die Wirklichkeit und darüber kann man streiten, aber wenn jeder seine eigene Wirklichkeit hat, gibt es kein sinnvolles Gespräch mehr. Natürlich nimmt jeder Mensch die Welt anders wahr, das ist eine Binsenwahrheit, die niemand bestreiten kann, aber als Christin gehe ich davon aus - ja weiß ich -, dass es Wirklichkeit gibt, die vom Menschen unabhängig ist und auf die zu vertrauen sich lohnt. Nur auf diesem Hintergrund kann man Weihnachten feiern.

14. Dezember 2023

Eigentlich lehne ich ab, was einem von frommen Leuten oft empfohlen wird, nämlich bei allem zu fragen: Was würde Jesus tun? Die Frage ist unbeantwortbar, und wenn ich in das Neue Testament schaue, erlebe ich dort einen Jesus, der Dinge tut und sagt, die gerade nicht vorauszusehen sind. Wir können uns nicht in ihn hineinfühlen, dazu ist er zu groß. Und doch gibt es Konstellationen, wo ich diese Frage auch selbst stelle: Was würde Jesus im Nahen Osten tun? Sicher nicht das, was gerade jetzt geschieht.
Der Gedanke an die Geiseln, die irgendwo unter dem Gazastreifen in dunklen Gängen gefangen sind, ist unerträglich. Der Gedanke, an all die Menschen im Gazastreifen, die fliehen müssen und ohne Wasser und Nahrung nur noch versuchen, irgendwie zu überleben, ist auch unerträglich. Es wird nichts Gutes dabei herauskommen, sondern immer nur noch mehr Hass. Hört endlich auf, möchte man schreien.

10. Dezember 2023

Der Gedanke, dass das Böse keine Tiefe hat, nicht „radikal“ ist (H. Arendt) beschäftigt mich. Das Böse besteht in Oberflächlichkeit und Verweigerung von Nachdenken? Wird es damit nicht verharmlost?
„Wir sollten keine Flüchtlinge mehr ins Land lassen...“
„Aber wir können sie doch nicht im Mittelmeer ertrinken lassen.“
„Wer sich mit 150 Mann in ein Schlauchboot setzt, ist selbst schuld, wenn er ertrinkt.“
Damit ist für manche die Sache erledigt. Was Menschen dazu bringt, eine solche Fahrt auf sich zu nehmen, wird nicht weiter überlegt.
Ob bei NS-Verbrechen, Gewalt auf den Straßen, Mißbrauch oder auch viel kleineren Sünden, immer verharmlosen wir, was wir tun:
„Die wollte das...“
„Er hat mich provoziert...“
„Ich habe nur getan, was man mir gesagt hat...“
„Ich war an dem Tag nicht gut drauf...“
„Ich habe es nicht so gemeint...“
Heilige sind Menschen, die in die Tiefe gehen: 
- in die Tiefe ihrer eigenen Schuld
- in die Tiefe Gottes
- in die Tiefe des Verständnisses für andere (Herzenskenntnis)
Sünder scheuen diese Tiefe.

08. Dezember 2023

Unbefleckte Empfängnis Mariens - ein schwieriges und oft sehr missverstandenes Fest. Maria war so, wie wir alle ursprünglich von Gott gedacht waren, ohne Sünde und nur auf ihn ausgerichtet, daher lebte sie in einer Ungebrochenheit, die keiner von uns hat. Das bedeutet aber nicht, dass sie unverwundbar war, im Gegenteil, gerade weil sie war, wie sie war, muss sie unvorstellbar unter den Zuständen der Welt gelitten haben, auch schon vor Verkündigung und Geburt Jesu. Aber es war und ist kein Leiden, das sich distanziert, sondern ein liebevolles Mitleiden, in dem sie für uns bei Gott eintritt. 

07. Dezember 2023

Ich bin sicher, dass es zur Zeit nicht leicht ist, Bischof zu sein. Aber die Vorstellung, früher wäre alles besser gewesen, ist trügerisch. Der Heilige des heutigen Tages, Ambrosius, musste auch unter schwierigen Bedingungen Bischof sein, so mußte er z.B. einem Kaiser, der gesündigt hatte, sagen, er dürfe die Kirche erst wieder betreten, nachdem er Kirchenbuße geleistet hatte. Wer würde das heute bei irgendeinem Gemeindemitglied wagen?
Das heutige Tagesgebet lautet: „Gott, du hast uns im heiligen Bischof Ambrosius einen hervorragenden Lehrer des katholischen Glaubens und ein Beispiel apostolischen Freimutes gegeben. Höre auf seine Fürsprache und berufe in deiner Kirche Bischöfe, die deinem Willen gehorsam sind und dein Volk mit Kraft und Weisheit leiten.“

05. Dezember 2023

Jeder, der in der Kirche ein Leitungsamt hat, wird immer wieder zerrissen zwischen dem Gehorsam dem unsichtbaren Gott gegenüber und den Ansprüchen derer, die er führt. Oft ist dabei die Menschenfurcht größer als die Gottesfurcht. Ganz deutlich wird das an König Saul, der dem Propheten Samuel bekennen muss: „Ich habe gesündigt; denn ich habe mich über den Befehl des Herrn und deine Anweisungen hinweggesetzt, ich habe mich vor dem Volk gefürchtet und auf seine Stimme gehört“ (1Sam 15,24).