Blog von Äbtissin Christiana Reemts

Aufnahme Mariens in den Himmel. „Das kann doch kein denkender Mensch für wahrscheinlich halten", sagen die vernünftigen Leute. „Nein“, antworte ich, „wahrscheinlich finde ich das auch nicht. Wahrscheinlich finde ich, dass alle Toten in ihren Gräbern vermodern, inklusive Jesus und Maria.“ „Genau, und was soll dann so ein Fest?“
„Wir feiern, dass Gott gehandelt hat, er, der Schöpfer des Himmels und der Erde. Rein menschlich gesehen, ist die Aufnahme Mariens in den Himmel nicht unwahrscheinlich, sondern unmöglich, aber ich glaube an den, der unsere Plausibilitäten übersteigt und in seiner Liebe Wunder wirkt, die wir nicht wagen uns auch nur vorzustellen.“
 
Gestern hatten wir 120 Pilger einer Krefelder Gemeinde bei uns zu Gast. Wir haben miteinander gegessen, getrunken, geredet, gebetet, den Glauben geteilt... Am Ende wurde uns für unsere Gastfreundschaft überschwänglich gedankt. Doch ich bin nicht sicher, wer mehr Grund zur Dankbarkeit hatte, die Pilger oder wir Schwestern. Auch für uns war es ein Geschenk, eine so lebendige Gemeinde zu erleben, Kinder, Jugendlich, junge Erwachsene, Familien, ältere Menschen - und alle freuten sich als Christinnen und Christen beisammen zu sein.
Wir Nonnen leben in keiner Gemeinde aktiv mit und hören oft Klagen über den Rückgang des praktizierten Christentums und lesen die Unkenrufe auf katholisch.de. Hier durften wir mal die andere Seite erleben. Danke!
 
Aus dem Roman von Manzoni, Die Verlobten:
„Mit den Gedanken hielt es Donna Praxedia, wie man es mit Freunden halten soll; sie hatte deren wenige, aber den weniger war sie sehr zugetan. Unter den wenigen gab es zum Unglück viele verdrehte und diese waren ihr gerade die liebsten.“
„Ihr ganzes Trachten ging dahin, den Willen des Himmels zu fördern, nur beging sie immer den Fehler, ihr Gehirn mit dem Himmel zu verwechseln.“
 
Vor einigen Tagen erzählte mir eine Bekannte von einer freien Trauung, zu der sie eingeladen war. Die Hochzeitsrednerin sprach über die Liebe der beiden, wie sie sich kennengelernt hatten und wie sie ihr gemeinsames Leben führen wollten. Durch den Festraum war ein Faden gespannt, an dem die Ringe hingen, die jeder der Anwesenden an diesem Faden ein Stück weiter schob und mit diesem Ersatzsakrament seinen Anteil an der Beziehung der beiden bekundete.
Meine Bekannte und ich waren uns einig, dass eine solche Form der Eheschließung ehrlicher und authentischer ist als eine kirchliche Trauung, bei der keiner der Anwesenden auch nur das Vaterunser mitsprechen kann. Aber es fehlte jedes Wort von außerhalb: Die Traurednerin sagte, was das Brautpaar ihr vorher mitgeteilt hatte, die äußere Form war von den beiden ausgedacht - eine Hochzeit ist inzwischen  eine völlig individuelle Veranstaltung, in die niemand reinzureden hat, schon gar nicht Gott. Es fehlt jede Transzendenz, damit aber, wie ich fürchte, aber auch jeder Halt bei Schwierigkeiten.
 
Immer wieder gibt es im Leben Momente, wo Jesus plötzlich verwandelt vor uns aufscheint, wo wir in ihm den ewigen Sohn Gottes erkennen. Machen kann man solche Momente nicht, sie sind reines Geschenk und fehlen oft gerade dann, wenn man sie am dringendsten bräuchte. Was aber kann man tun? Mitgehen, auf ihn hören und - ganz wichtig - sich nicht fürchten.