Blog von Äbtissin Christiana Reemts

Bei dem französischen Theologen Jean Daniélou fand ich einmal folgenden Gedanken, von dem ich leider nicht mehr sagen kann, aus welcher Schrift ich ihn habe. Für mich ist das Gesagte fast eine Art von Gottesbeweis, auf jeden Fall etwas, was ich selbst genauso erfahre.
„Gott ist es, der mir widersteht. Gerade dadurch drängt er sich mir auf. Denn wenn ich ihn erfände, so würde ich ihn mir willfähriger gestalten. Gerade daran aber, dass er mich stört, dass er meine Denkgewohnheiten und meine Pläne, mein Leben nach meinem Geschmack einzurichten, umstößt, erkenne ich seine Gegenwart. Diesem Paradox sehe ich mich gegenüber. Gerade das, um dessentwillen ich wünschte, dass er nicht existierte, zwingt mich dazu, seine Existenz anzuerkennen. In mir verspüre ich allzu viel Interesse daran, dass er nicht existiert, als dass mir mein Wunsch, dem möge so sein, nicht verdächtig vorkommen müßte. Indem ich mich vergeblich bemühe, ihn meinem Willen anzupassen, lerne ich ihn erkennen. Schließlich wird er mich lehren, ihn zu lieben, indem ich meinen Willen dem seinen zu beugen suche.“
 
Es gibt zu viele Menschen in unserer Kirche - auch Priester, Ordensleute, Pastoral- und Gemeindereferentinnen und -referenten -, die nicht an Gott glauben, aber den Absprung, zum Teil aus wirtschaftlichen Gründen nicht wagen. Sie zerstören die Kirche, selbst wenn sie versuchen ihre Aufgaben zu erfüllen.
Wichtig: Ich meine nicht Menschen, die zweifeln, die mit dem Glauben ringen, die in Zeiten der Verdunklung des Glaubens geraten. Das alles kenne auch ich und es sind immer noch Formen der Liebe und der Beziehung. Was ich meine, sind Menschen, für die der Glaube keine Frage mehr ist. Doch ich las einen für mich tröstlichen Satz: „Und doch weiß man bei alle diesen Fragen ganz genau, dass es sich immer nur auf das „Christentum“ in Anführungszeichen beziehen - und nicht auf das andere, den glühenden Kern, der vielleicht erst jetzt beginnt, seine letzten und tiefsten, seine eigentlichen Kräfte zu entfalten“ (I.F.Görres, Nocturnen 22).
 
Lohnend das Buch von J. Hartl „Gott ungezähmt“. Sehr einleuchtend das Bild von der Insel, auf der wir uns befinden und die ringsherum vom Meer umgeben ist, ein Bild, das mir seither nachgeht. Der Glaubende ist wie ein Fischer, der im Gegensatz zu denen, die den Inselcharakter ihres Lebens leugnen, „weiß, was er zu fürchten hat. Er weiß am besten: Jeder Kontinent ist von Wasser umgeben. Und jede Straße, fährst du nur lang genug, grenzt an den Ozean. Du kannst ihm nicht ausweichen. Du kannst Gott nicht ausweichen. Keine Chance... Er ist real. Und er ist nicht harmlos. Er ist - ungezähmt‟ (14). Ja, die Insel, auf der wir leben, ist groß und sie bietet viele Ablenkungen, so dass man das Meer lange ignorieren kann. Aber das Meer ist da und jeder muss irgendwann hinausfahren.
 
Sehr deutlich bereits in der frühen afrikanischen Kirche: Die Kirche ist in ihrem Wesen Eucharistiegemeinschaft, Gemeinschaft derer, die in der Teilhabe an Leib und Blut Jesu Christi eine Einheit bilden. Als solche steht sie unter ihrem Bischof, ja, Cyprian kann sogar sagen: “Die Kirche ist im Bischof.” Auch das Zusammensein zweier oder dreier Christen ist für ihn gebunden an die Unterordnung unter den Bischof, den nur er bürgt dafür, dass diese Begegnung im Heiligen Geist stattfindet.
Mir scheint, dass Gemeinschaft mit dem Bischof und Wissen darum, dass nur die Mitfeier der Eucharistie Gemeinschaft mit Christus schenkt, zusammengehören. Wo eins von beiden fehlt, entsteht ein Schisma. Wo eines von beiden fehlt, fehlt in Kürze auch das andere. Wer seinem Bischof die Treue aufkündigt, kann nicht mehr ehrlich die Eucharistie mitfeiern, er wird zuerst das Eucharistiegebet verändern, dann den Ritus und zum Schluss die Sache selbst aufgeben. Wem die Eucharistie „nichts mehr sagt“, braucht auch keine Hierarchie, er wird sich nach und nach einen eigenen Glauben zurechtbasteln und diesen für das eigentliche Christentum halten.
Aber Jesus hat die Bischöfe als Nachfolger der Apostel eingesetzt. Sie sollen Garanten der Weitergabe des Evangeliums sein. Wo und solange sie das sind, hat kein Gläubiger das Recht ihnen den Gehorsam zu verweigern.
 
Für Augustinus ist ein Gebäude nur deshalb eine Kirche, weil sich dort diejenigen treffen, die im eigentlichen Sinn „Kirche‟ sind.
Im Urlaub in der Schweiz sah ich in jedem winzigen Dorf, oft auch mitten in den Bergen, wo es sonst keine weiteren Gebäude gibt, kleine Kirchen oder Kapellen. Sind es wirklich Kirchen, wenn dort nie mehr Gottesdienste stattfinden? Doch sie werden liebevoll gepflegt... Vielleicht warten sie auf eine neues Volk, das wieder begreift, wie sinnlos eine Welt ohne Gott ist.