Blog von Äbtissin Christiana Reemts

Pfingsten
Alles liegt daran, dass wir die Geister unterscheiden und den Geist Gottes mit keiner der Stimmen in unserem Inneren verwechseln. Der Heilige Geist ist nicht die Stimme, die uns zuflüstert: „Du bist okay, mach weiter so“, sondern der alles verändernde Sturmwind, der Neues und Unerwartetes bringt, Beunruhigendes, auf das wir nie gekommen wären und dass wir uns bis heute nicht vorstellen konnten. Er kommt vom Himmel (vgl. Apg 2,2), aus der Unverfügbarkeit Gottes, er weht, wo er will (vgl. Joh 3,8) und er ist ein Geschenk, das nicht dem, der er erhält, nützt, sondern den anderen, für die er es einsetzen soll (vgl. 1 Kor 12,7).
 
In der Bibel wird verboten, das Volk Israel zu zählen. Dieses Gebot gilt auch für uns, für die Kirche und für die Klöster. Wir sollen nicht zählen, wie viele wir sind, wir sollen nicht ständig unseren Altersdurchschnitt berechnen. Im Heute Gottes leben. Jeder Tag hat genug eigene Sorgen. Dankbarkeit lernen.
 
Ich sympathisiere in keiner Weise mit irgendwelchen Verschwörungstheorien, aber ich denke schon, dass wir uns klarmachen müssen, dass Leben potentiell gefährlich ist. Das Sicherste in der Corona-Pandemie ist es, zuhause zu bleiben, niemanden hereinzulassen und zu warten, bis alles vorbei ist und sei es den Rest des Lebens. Alles andere kann tödlich sein. Aber ist ds Leben, ist so viel Sicherzeit nicht auch eine Art von Tod, zumindest sozialer Tod?
Wenn wir leben wollen, und Leben bedeutet für mich vor allem Kommunikation, dann müssen wir etwas riskieren, das wird uns jetzt sehr klar, aber es galt letztlich immer schon. Jede Teilnahme am Straßenverkehr, jeder Besuch eines Schwimmbads, jedes Essen im Restaurant war immer schon gefährlich.
Nicht leichtsinnig sein, abwägen und Gott um seinen Segen bitten. Dann handeln und die Folgen im Glauben tragen.
 

Jesus sagt seinen Jüngern und damit auch uns: „Was ihr den Vater in meinem Namen bitten werdet, das wird er euch geben. Bis jetzt habt ihr noch um nichts in meinem Namen gebeten. Bittet und ihr werdet empfangen, damit eure Freude vollkommen ist“ (Joh 16,23f).
In einer Predigt, die ich neulich hörte, ein interessanter Gedanke: In dem Satz „Bis jetzt habt ihr noch um nichts in meinem Namen gebeten“, kann man das „nichts“ einfach als Verneinung verstehen. Die Jünger haben Gott zwar schon gebeten, aber nicht in Jesu Namen. Man kann den Satz aber auch als eine Art Objekt auffassen: Bis jetzt haben die Jünger in Jesu Namen nur um Nichts, d.h. um Nichtiges, gebeten, jetzt sollen sie anfangen, wirklich um Etwas zu bitten, d.h. sie sollen Bitten äußern, die der Nachfolge Jesu würdig sind.
Bitte ich um Nichts oder um Etwas? Was wäre Nichts, was wäre Etwas? Dahinter steht für mich der Gedanke, dass Gott mir mehr geben will, als ich in meiner Beschränktheit erbitte, dass mein Sünde gar nicht darin besteht, unverschämt zu sein, sondern im Gegenteil sich mit viel zu wenig zufrieden zu geben.