Blog von Äbtissin Christiana Reemts

Papst Franziskus hat aus Sorge um die Einheit der Kirche im Motu proprio „Traditionis custodes‟ betont, dass der Ritus der Messe, wie er nach dem 2. Vatikanischen Konzil festgelegt wurde, der einzige Ritus der römisch-katholischen Kirche ist. Wie zu erwarten war, sind alle, die den außerordentlichen Ritus feiern, sehr verletzt und viele empören sich über den Papst. Wie ebenfalls zu erwarten war, triumphieren die anderen.
In Mariendonk feiern wir den normalen zugelassenen Ritus, insofern ändert sich für uns nichts. Triumphieren würde ich trotzdem nicht, auch ist es nicht meine Aufgabe, anderen gute Ratschläge zu geben, wohl aber sehe ich deutlich, dass das Dokument auch uns betrifft, die die zugelassenen Ritus feiern. Wir alle müssen umkehren und jede Gemeinde, jeder Priester muss sich fragen, ob sie zu denen gehören, die mit ihrer „kreativen‟ Art, die heilige Messe zu feiern, nicht mitschuldig geworden sind, dass andere meinen, nur noch den außerordentlichen Ritus ertragen zu können.
Es wäre gut, wenn wir als Reaktion auf das neue Motu proprio ein paar einfache Schritte gingen:
Als Gläubige könnten wir
•    wieder stärker die Ehrfurcht vor Gott zum Ausdruck bringen (Knien beim Betreten der Kirche, Schweigen in der Kirche, kein extensiver Friedensgruß)
•    darum bitten, dass die Messe nach den liturgischen Büchern gefeiert wird, weil wir Gott begegnen wollen, nicht den Einfälle des zelebrierenden Priesters, mögen diese auch noch so gut sein.
Als Priester wäre es ein Schritt den anderen entgegen, wenn wir
•    wieder häufiger den römischen Kanon verwenden (möglicherweise sogar hin uns wieder auf Latein), statt fast ausschließlich die neuen Hochgebete.
•    die Predigt als gut vorbereitete (auch exegetisch!) Homilie halten, damit die Gläubigen dem Wort Gottes begegnen, nicht den Aktualitäten des Tages.
Diese einfachen Schritte wären ein Zugehen auf die Menschen, die den alten Ritus lieben und ein Versuch, etwas zur Einheit beizutragen. Denn Papst Franziskus geht es vor allem um die Einheit der Kirche, die sich gerade auch in der Liturgie ausdrücken muss.
 

Vom 1. - 25. Juli macht dieser Blog eine Pause.

Was mir Sorgen macht, ist die Unsicherheit vieler unserer Bischöfe, ihr Schielen auf die öffentliche Meinung. Sehen sie denn nicht, dass der Zug abgefahren ist, dass die Kirche in Deutschland keine gesellschaftliche Größe mehr ist - es auf Jahrzehnte nicht mehr sein wird. Noch so viele „Prozesse“ werden daran nichts ändern.
Natürlich ist Kirche mehr als eine Gottesdienstgemeinde, aber ich bin dennoch davon überzeugt, dass der Blick zu Gott in Schriftlesung und Gebet mehr denn je im Zentrum stehen sollte. Alles andere können auch andere. Halten wir den Himmel offen, das ist der größte Dienst für unsere Welt. Und vertrauen wir auf die Verheißung: „... die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen“ (Mt 16,18).
 
Mein Blog vom 22.6. hat Rückfragen ausgelöst, vor allem die Frage, wie reflektiert mein Bibelverständnis ist bzw. ob ich wirklich glaube, dass ein wörtliches Verständnis der Bibel das einzig richtige ist. Nein, das glaube ich nicht, trotzdem werde ich den Eintrag nicht löschen, denn es ging mir nicht um Hermeneutik, sondern um die Frage, wer in meinem Leben bestimmt, Gott oder ich selbst.
Ich bin der Überzeugung, dass die Schrift Gotteswort in Menschenwort ist und dass man nur, wenn man Sprache und Kultur, in der die biblischen Texte entstanden, gut kennt, versteht, was mit ihnen gemeint ist. Beim Lesen der Bibel braucht es Interpretation und Bilder müssen als solche erkannt werden, aber ebenso wichtig ist, dass mit dem Bild nicht die gemeinte Sache verschwindet.
Ich stelle ich mir immer wieder die Frage, ob ich mir die Bibel nicht ständig passend mache, ob ich den Anspruch der Texte wirklich noch höre, auch da, wo er mir gegen den Strich geht. Die Unterordnung der Frau unter den Mann war nur ein besonders provokantes Beispiel, man könnte auch den Zorn Gottes nennen, vieles aus der Bergpredigt oder, damit klar wird, dass ich nicht andere meine, sondern durchaus mich selbst, die Frage, ob Gott wirklich Klöster wollte.
Immer wieder ertappe ich mich dabei zu meinen, nur weil ich etwas tue, müsse es ja wohl richtig sein, richtig auch vor Gott. Das könnte ein Irrtum sein! Und außerdem: Wenn Gottes Wort nur noch bestätigt und tröstet, nicht mehr irritiert, ärgert, richtet und zur Umkehr mahnt, ist es im Grunde überflüssig.
 
Gott lebt und ich kann ihm begegnen im Hören auf sein Wort. Das glaube ich, davon bin ich überzeugt.
Bin ich wirklich davon überzeugt? Oder mache ich mir meinen Glauben durch historische Relativierungen so zurecht, wie er mir paßt? Ich wage nicht, letzteres klar zu verneinen.
Ein Gedankenspiel: Wenn ich sicher wüßte, dass Gott zu mir spricht, würde ich dann auf jeden Fall gehorchen? Auch wenn er etwas fordern würde, was völlig „out of time“ ist, z.B. die Unterordnung der Frau unter den Mann?