Blog von Äbtissin Christiana Reemts

Glauben - nicht irgendwelche Sätze, sondern glauben, dass jemand liebevoll auf mich schaut, ist schwer. Immer wieder der Versuch, doch lieber alles selbst zu machen... Aber es ist Unglaube, ständig für sich selbst zu sorgen zu wollen, es gibt einen anderen, der das viel besser tut.
 

Tut mir leid, ich glaube weder an Chancengleichheit noch an Geschlechtergerechtigkeit oder höchstens als Ziel, das nicht aus den Augen verloren werden darf. Ein Elternhaus, das vielseitig kulturell anregend ist und in dem Kinder liebevoll gefördert werden, schafft einen Vorsprung, der nie mehr einzuholen ist, aber was heißt das schon? Man kann nicht nur auf internationalem Parkett glücklich werden...
Und: Frauen und Männer sind verschieden – von Natur aus, nicht nur durch Erziehung. Darum wird es leider auch dabei bleiben, dass Frauen mehr Angst vor Männern haben müssen als umgekehrt. Der Fall, dass ein Mann von fünf Frauen vergewaltigt wird, kommt doch eher selten vor.
Insofern stehe ich auch dem Priestertum der Frau, ganz abgesehen von allen theologischen Gründen, skeptisch gegenüber. Unsere Kirche hat zeitlich und räumlich die ganze Welt im Blick, während manche Menschen in unserem Land nur ihr Dorf sehen oder Deutschland zum Maßstab für die Welt machen. In welchen Ländern ist es überhaupt möglich, dass eine Frau in der Öffentlichkeit frei agieren kann, wo kann sie allein Hausbesuche machen oder im Beichtstuhl sitzen?

Nein, dieser Blog wurde nicht beendet, ich hatte in den letzten Tagen nur keine Zeit zu schreiben. Zwei Mitschwestern sind kurz hintereinander gestorben: Mutter Luitgardis, die viele Jahre unsere Äbtissin war, und Schwester Pudentiana. Das Sterben von zwei Menschen, mit denen man Jahrzehnte zusammengelebt hat, ist schwer zu verkraften, wenn es in so kurzer Zeit geschieht, die Seele kommt nicht hinterher. Und immer wieder stellt sich, wenn man an einem offenen Sarg steht, die Frage: Glaubst du wirklich, dass dieser Mensch nicht endgültig tot ist, sondern lebt? Ist das nicht eine Illusion? Solltest du nicht einfach akzeptieren, dass mit dem Tod alles aus ist?
Der Tod kann ein Grund sein, warum Menschen glauben, er ist aber zugleich auch das stärkste Argument gegen den Glauben, der Leichnam sagt deutlich, dass das Leben diesen Menschen für immer verlassen hat und dass Gott es nicht verhindert hat. Auch die Erinnerung an diesen Menschen wird schwinden, allen Beteuerungen in Todesanzeigen zum Trotz. Denn die, die sagen, sie werden die Toten nie vergessen, werden ebenfalls sterben...
Die Toten sind endgültig fort und haben nur eine leere Hülle hinterlassen, die wir begraben oder verbrennen.
Worauf ich mich angesichts des Todes verlasse? Letztlich, auch wenn das für viele Menschen sehr naiv-fromm klingt, auf Jesus, der von „dort“ gekommen ist und uns zugesagt hat: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin“ (Joh 14,2f). Das glaube ich, aber ich gebe zu, dass mein Glaube angesichts des Todes immer neu herausgefordert ist.
 
Augustinus hat über den Begriff „Opfer‟ intensiv nachgedacht und ihn radikal von jedem kultischen Vollzug getrennt. Gott will uns Menschen und unsere Liebe, wir sind selbst Opfer für Gott, vorausgesetzt wir sind wirklich Menschen seines Wohlgefallens und leben so, wie es Gott gefällt. Aber gerade das können wir als Sünder - und jeder Mensch ist ein Sünder - aus uns heraus nicht. Nur Christus gehörte ganz und gar Gott, seine Speise war es den Willen des Vaters zu tun, nur er war ein wirkliches Opfer und hat gerade dadurch den Weg zu Gott eröffnet. Daraus folgt, das wir anderen in Christus sein müssen, um als Opfer von Gott angenommen zu werden. Dieses Eingehen in Christus ist aber kein individueller Akt („ich gehe in Christus ein“), sondern es geschieht durch das Aufgenommen-Werden in den Leib Christi, die Kirche. Wir werden eins mit Christus, indem wir eins werden mit der Kirche.
Das Opfer der Kirche und das Opfer jedes Christen besteht darin, mit Christus immer mehr eins zu werden. Das Opfer, das wir darbringen, sind wir selbst, wir sind wie Christus zugleich Priester und Opferlamm. Das Feuer, das unsere Opfergabe zu Gott emporsteigen läßt, ist die Liebe, der Altar, auf dem das geschieht, ist unser Herz.
(Dieser Abschnitt verdankt viel dem Buch: J.Ratzinger, Volk und Haus Gottes in Augustins Lehre von der Kirche).
 
Sich selbst zu verleugnen, steht der wahren Umkehr sehr nahe. Denn normalerweise besteht unser Stolz darin, zu uns selbst stehen, uns zu akzeptieren, wie wir sind und das auch von anderen zu verlangen. Aber wir sollen den alten Menschen ausziehen, wir sollen und können neue Menschen werden. Es fällt uns schwer, an diese Möglichkeit zu glauben.
Der Kirche ist von Christus die Vollmacht anvertraut zu lösen, zu befreien aus aller Verfallenheit an die Vergangenheit, an das „man“, an uns selbst. Glaube ich wirklich, wie es im Glaubensbekenntnis steht, an die Vergebung der Sünden - an die Vergebung aller Sünden? Glaube ich - für mich selbst, aber auch für alle anderen Menschen - an die Möglichkeit, sich zu ändern, neu zu werden?
Auch hier würde ich kein zu schnelles Ja wagen, alle menschliche Erfahrung steht dem entgegen. Die Vergebung der Sünden ist etwas, was ich im Vertrauen auf das Wort Christi hin glaube.